Folge 42 - Über den Umgang mit Ablehnung
Shownotes
Wie hängen Ablehnung und Trennung zusammen? Wie können wir mit ihnen umgehen? Wann tun sie besonders weh – und wann bringen sie uns in unserer Entwicklung weiter? Um diese Fragen geht es heute, wenn wir uns anschauen, was die Psychoanalyse dazu sagt.
Dabei teile ich eine persönliche Geschichte mit euch, in der ich eine damals sehr schmerzhafte Ablehnung erlebt habe. Ich erzähle nicht nur, was passiert ist, sondern auch, was sich aus diesem Erlebnis entwickelt hat – und warum es diese Folge ohne diese Erfahrung nicht geben würde.
Weiterführende Literatur:
Freud, S. (1920). Jenseits des Lustprinzips. Wien: Internationaler Psychoanalytischer Verlag.
Lang-Langer, E. (2009). Trennung und Verlust. Frankfurt am Main: Brandes u. Apsel.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Stellen wir uns einen jungen Mann vor, der sich in seine Arbeitskollegien verliebt hat.
00:00:05: Er versucht in den Mittagspausen in ihrer Nähe zu sein, ihr durch Aufmerksamkeiten zu zeigen, dass er sie mag.
00:00:12: Er bringt ihr Kaffee mit und fragt ob er ihre Arbeit abnehmen kann.
00:00:17: Nachdem er sich über Monate mit seinem Gefühl getragen hat, überwindet er sich und fragts sie nach ihrer Privatnummer und ob sie Lust habe nach der Arbeit etwas mit ihm trinken zu gehen.
00:00:29: Daraufhin, sagt sie ihm freundlich aber bestimmt, dass sie das nicht möchte und sich längst in einen Kollegen aus einer anderen Abteilung verguckt hat.
00:00:40: Ablehnung ist ein Teil des Lebens – und meist ein sehr schmerzhafter!
00:00:46: Gerade weil Sie ein Teil eines Lebens sind, kennen wir sie auch alle und können wahrscheinlich alle nachfühlen wie es unserem jungen Mann jetzt gehen muss.
00:00:54: Wir alles sind bereits abgelehnt worden und wissen, wie weder es tun kann….
00:01:00: Die Zurückweisung beschäftigt uns noch im Schlaf und über die Tage- und Wochenendurch.
00:01:06: Dennoch kann Ablehnungen bzw.
00:01:08: Zurückweisungen uns unterschiedlich treffen – und sogar wichtig für unsere Entwicklung sein!
00:01:15: Denn wer Ablehhnungen nicht aushalten kann, kann oft auch selbst nicht ablehnen oder hat Argeprobleme Beziehungen einzugehen.
00:01:25: Heute geht es um die Fragen was Ablehmungen mit uns macht?
00:01:30: Was es mit uns macht, wenn wir sie nicht aushalten können.
00:01:34: Was sie in Betrennung zu tun hat, wann sie uns stärker macht und wie wir mit ihr einen Umgang lernen können.
00:01:42: dabei ganz viel Spaß!
00:01:59: Und damit herzlich willkommen zur zweiundvierzigsten Folge unseres psychodynamischen Podcastes.
00:02:05: Hoche Freude euch wieder dabei zu haben.
00:02:08: heute über den umgang mit Ablehnung.
00:02:12: Ich möchte mit einer kleinen persönlichen Geschichte dazu anfangen, wie abgelehnt zu werden überhaupt erst dazu geführt hat dass ich Psychotherapeut wurde.
00:02:22: Vor meinem Abitur war ich auf einer Schule mit Wirtschaftsschwerpunkt und war bereits soweit das ich mich auf Stellenausschreibung zum Bankaufmann beworben hatte.
00:02:36: Damals war ich allerdings noch viel zu unsicher, um mich in den sozial-psychologischen Aufgaben der dortigen Assessment Center zu behaupten.
00:02:45: Und so wurde ich abgelehnt!
00:02:48: Damals fühlte sich die Zurückweisung schlimmer an.
00:02:51: Ich hatte doch den Plan in die Wirtschaft zu gehen und fahre auch gut in der Schule.
00:02:56: Was sollte ich denn nun machen?
00:02:58: Ich wollte mich nicht mehr durch noch mehr dieser schrecklichen Gespräche quälen.
00:03:03: Das Lernen lag mir aber Darstellen konnte ich mich nicht.
00:03:07: Ich begann nicht schlecht zu fühlen.
00:03:09: Sogar körperlich!
00:03:11: Ich erinnere mich an Übelkeit und Magenschmerzen dieser Zeit, dann gab ich es schließlich auf.
00:03:18: Entschiedt mich zusammen mit einem guten Freund dem das damals ähnlich ging, dass wir lieber unser Abitur machen wollten – und verließ den Wirtschaftssektor.
00:03:28: Ein paar Jahre vorgespult habe ich mich im Abiturm wohlgefühlt und für das Studium der Psychologie entschieden in welchem mir ein Dozent begegnete der mich durch seine Leidenschaft für Psychoanalyse und Psychotherapie inspirierte, die Ausbildung zum Psychotherapeuten zu machen.
00:03:47: Und auch wenn die aktuelle berufspolitische Lage zum Zeitpunkt dieser Aufnahme vielleicht doch eher dafür spricht dass sich in die Wirtschaft hätte gehen sollen bin ich doch von ganzem Herzen her heilfroh das das Leben damals diese Tür vor mir geschlossen hat.
00:04:03: Ich hätte nicht in diese wundervolle Arbeit gefunden und wäre jetzt nicht hier, um diese Folge aufzunehmen.
00:04:10: Der Weg des Bankkaufmannes ist nicht meiner!
00:04:14: Und übrigens wäre auch diese spezifische Folge nicht entstanden, wäre ich nicht von jemandem zurückgewiesen worden mit dem ich eine gemeinsame Podcast-Folge aufnehmen wollte.
00:04:25: Dieses Erlebnis hat mich überhaupt erst dazu gebracht, mich intensiver mit dem Thema der Ablehnung auseinanderzusetzen.
00:04:32: Weitere Beispiele wie diese könnten gut die ganze Folge füllen... An Zurückweisungserfahrung mangelt es mir nicht.
00:04:41: Und euch bestimmt auch nicht, oder?
00:04:44: Haltet doch mal inne und überlegt wo ihr zurückgewiesen wurdet und Ablehnung gefahren habt... ...und im Nachhinein aber froh darüber wart!
00:04:58: So wie Ablehnung also nicht nur schlimm sondern manchmal auch ganz wichtig für uns sein kann möchte ich sie mir heute nicht nur aus dem passiven Polen anschauen Also wenn wir abgelehnt werden sondern auch aus dem Aktiven, wenn wir selbst etwas oder jemanden ablehnen.
00:05:16: Warum ist das wichtig?
00:05:18: Weil Entscheidung treffen auch immer heißt, etwas abzulehnen!
00:05:23: Der aktive Gegenpol zum abgelehnt werden, ist selbst abzulen.
00:05:28: Wenn wir nicht aushalten können, etwas Abzulähen und zurückzuweisen weil wir vielleicht zu große Angst vor Ungewissheit haben, können wir keine Entscheidung treffen noch keine Grenzen setzen Was bedeutet, dass wir auch keine klar definierte Identität ausbregen können?
00:05:46: Weil wir uns stets anpassen statt abzugrenzen.
00:05:51: Wenn ich mich für ein Weg, einen Partner, einen Job etc.
00:05:55: entscheide weise ich andere Wege, andere Partner und andere Jobs zurück.
00:06:01: Ich lege mich fest und gehe oftmals sogar ins Ungewisse.
00:06:07: Das heißt auch das sich Verantwortung übernehme.
00:06:12: Wir haben in der Folge zur existenziellen Psychotherapie gehört, dass uns Verantwortungsübernahme auch Angst machen kann.
00:06:19: Was passiert aber wenn wir keine Verantwortung für unser Leben übernehmen?
00:06:24: Wir bleiben in unserer Entwicklung stecken!
00:06:27: Wir verlassen unsere Komfortzone nicht gern weil wir uns im Bekannten sicherer fühlen selbst wenn es von außen betrachtet keine gute Situation sein mag.
00:06:37: Wenn wir Trennung und Abschiede bzw.
00:06:40: Ablehnung Nicht aushalten kann es sein, dass wir den Schritt aus dem Bekannten heraus nicht schaffen und in alten Mustern und unserer Entwicklung stehen bleiben.
00:06:54: Jetzt kann es aber nicht nur Verantwortung sein vor der wir Angst haben!
00:06:57: Wir könnten fürchten, daß uns eine potenziell bessere Möglichkeiten geht.
00:07:03: Leg ich mich wirklich auf diesen Job fest oder kommt vielleicht noch ein besserer?
00:07:08: Wir könnten auch um den Erhalt einer Beziehung fürchten.
00:07:12: Vielleicht verlangt eine Mutter von ihrem nunmehr erwachsenen Sohn, das er wieder bei ihr einziehen solle um sie im Alter zu versorgen.
00:07:20: Sie zurückzuweisen würde bedeuten mit der Mutter in den Konflikt zu gehen.
00:07:25: Ist der Sohn bereits gefestigt genug in seiner inneren Entwicklung?
00:07:29: wird es ihm gelingen sich abzugrenzen?
00:07:32: Ist er es nicht weil er verinnerlicht hat dass Verlassenwerden nicht ausgehalten werden kann zum Beispiel weil die Mutter ihm als Kind bei Konflikten mit Beziehungsabbruch gedroht hat?
00:07:43: Wird er womöglich nachgeben und tatsächlich bei ihr einziehen?
00:07:47: In dem Fall würde er seinen eigenen Weg zurückweisen, sich anpassen.
00:07:53: Ablehnung auszuhalten ist also die Voraussetzung dafür selbst ablehnen zu können.
00:08:00: Was sagt uns die Psychoanalyse darüber weshalb uns Ablehnung schwer fällt?
00:08:06: Zunächst mal sind wir soziale Wesen für welche Beziehungen überlebenswichtig sind.
00:08:12: Abgelehnt zu werden, geht damit ein Herr nicht zu überleben.
00:08:17: Vom Rudel zurückgelassen zu werden war man ein Todesurteil!
00:08:21: Das ist in uns als Spezies verankert – aber auch weil wir als Baby bzw.
00:08:28: Kind nicht alleine überleben können und auf unsere Bezugsperson angewiesen sind.
00:08:34: Kollektiv drückt sich diese existenzielle Bedrohung vom Verlassenwerden zum Beispiel in der Geschichte von Adam und Eva aus welche aus dem Garten Gottes geworfen werden, weil sie den Vater enttäuscht haben.
00:08:48: Seine Ablehnung bedeutet die Verbandung aus dem Paradies und die Heftigkeit der Verbitterung durch Ablehnung zeigt sich zum Beispiel in der biblischen Geschichte von Kein und Abel.
00:09:01: Kein Und Abel waren die ersten Söhne von Adam und Eva.
00:09:05: Keinen wurde Ackerbauer, Abel hörte.
00:09:08: Beide brachten Gottopfer dar!
00:09:11: Abel von den Erstlingen seiner Herde, kein von den Früchten seines Feldes.
00:09:18: Gott sah Abels Opfer wohlgefährlich an – keins Opfer jedoch nicht!
00:09:23: Was kein Tief verletzte und erzönte.
00:09:27: Aus der Wut über diese Ablehnung heraus ermordete kein sein Bruder.
00:09:33: Bindung zu bewahren und die Angst, die wichtige Bindung verlieren ist in uns
00:09:38: einprogrammiert.".
00:09:40: Deshalb löst Zurückweisung eine basale Reaktion aus, die sich wirklich schlimm anfühlen kann.
00:09:47: Und manchmal auch mit massiver Wut einhergeht!
00:09:51: In der Psychoanalyse sprechen wir vom sogenannten Objektverlust – also dem erlebten Verlust einer wichtigen Bezugspersonen bzw.
00:10:01: der Beziehung zu ihr.
00:10:03: Diese Urangst können wir unbewusst auf Situation in der Gegenwart projizieren.
00:10:09: Die Wohnung den Job den Partner nicht zu bekommen oder zu verlieren, fühlt sich dann zerstörend an.
00:10:16: Als wären wir abhängig von der Person oder dem Job die wir wollen aber nicht kriegen und manchmal sind wir das bis zum gewissen Grad auch wenn wir zum Beispiel unsere Einkommensquelle verlieren.
00:10:32: Dieses Gefühl der Abhängigkeit bringt uns zum Thema Trennung.
00:10:37: Wir fühlen uns abhängiger von etwas oder jemandem den wir mit Versorgung, Halt und Stabilisierung verbinden.
00:10:47: Abgelehnt zu werden heißt von diesem etwas getrennt zu werde.
00:10:53: Ablehnungen und Trennung sind verbunden.
00:10:56: Dies begegnet uns auch in der psychoanalytischen Praxis.
00:11:01: Der Psychoanalytiker Michael Buchholz kritisiert die in der psychoanalysischen Technik oft vorkommende Zitat Bevorzugung des trennen Moments.
00:11:13: Er meint damit, dass professionelle Anonymität und Reserviertheit die oft mit der Abstinenz begründet werden einseitig Trend wirken können.
00:11:22: Dass also der Analytiker durch zu starke Zurücknahme dem Analysanten das Gefühl gibt von ihm zurückgewiesen zu werden bzw den Analytiker nicht erreichen zu können.
00:11:36: Neben dieser evolutionären Perspektive ist aber noch etwas wichtig Ablehnung beziehungsweise Trennung trifft uns nicht nur mir und jetzt.
00:11:47: Und nicht nur auf dieser instinktiven Ebene.
00:11:51: Freut betonte, dass Ängste vor Trennung und Verlust meist im Kindesalter durch erste Verlusterlebnisse oder Trennung von Bezugspersonen geprägt werden.
00:12:02: Das heißt das individuelle Erfahrung von Trenning und Zurückweisungen ebenfalls beeinflussen wie wir diese erleben.
00:12:11: Trennung beschreibt er als schmerzhaften Prozess der Entbindung von Libido.
00:12:17: Freut man denn damit die psychische Triebenergie?
00:12:20: Heute würden wir dies eher allgemeiner mit psychischer Energie übersetzen, von dem verlorenen Objekt also von einer Person oder einem Ideal.
00:12:32: Die Trauerarbeit ist notwendig um die Energie von der verlorenen Person abzuziehen und neu zu binden.
00:12:40: Für dieser Prozess nicht erfolgreich durchlaufen kann dies zu psychischen Störungen führen.
00:12:47: Die Psychoanalytikerin Ellen Lange-Langer berichtet hier zum Beispiel über Kinder und Jugendliche die frühe Trennung und Verlust erfohren, und als etwas erlebten das mit Macht über sie hereinbrach – und sie seelisch überforderte.
00:13:05: Eine Verarmung des Ichs und Erstarrung der Depression waren die Folge.
00:13:10: Die Kinder und Jugendlichen in den Fallstudien erfuhren Verlust durch den Tod eines Elternteils, durch Adoption oder Heimunterbringung, durch die Scheidung der Eltern.
00:13:21: Und andere schicksalshafte Einschnitte in ihr junges Leben.
00:13:25: Die daraus entstehenden Erkrankungen reichten von Entwicklungsstörungen mit eher neurotischen Merkmalen bis hin zu solchen mit traumatischem und sogar psychotischem Anteil.
00:13:36: Eine langfristige psychoanalyptische Behandlung kann helfen, dass Betroffene ihre frühen Erfahrungen von Trennung und Verlust nicht mehr verdrängen.
00:13:46: Wenn die Behandlung gelingt entsteht ein wichtiger Raum in dem Gefühle wie Verlorenheit, Wut, Hilflosigkeit und Ohnmacht ausgedruckt werden können – und in dem neue Wege für das Leben gefunden werden!
00:14:01: Als Resultat wird auch der Umgang mit Zurückweisung besser.
00:14:07: Denken wir einen jungen Mann vom Anfang der Folge Könnte es sein, dass in ihm alte Erfahrung von Ablehnung aufkommen als er den Korb bekommt?
00:14:17: Vielleicht fällt ihm schmerzlich ein wie oft er schon von begehrten Frauen verschmäht wurde.
00:14:23: Oder die Wunde geht noch tiefer weil sich in seinem Erleben Trennungserfahrungen aus der Kindheit vom Nicht-Gesehen werden emotionaler Unarreichbarkeit wichtiger Bezugspersonen oder inkonsistenter Zuwendung reaktivieren.
00:14:39: Mit einem Mal fühlte sich wieder wie in der schlimmen Situation von damals.
00:14:44: Für ihn wäre Zurückweisung dann über das angebrachte Maß hinaus schmerzhaft, weil sie alte Wunden in ihm berührt.
00:14:53: Das wäre ein nachvollziehbarer Grund – vielleicht auch unbewusst – Situationsvermeiden, in denen er Ablehnungen erfahren könnte und sich erneut ganz schlimm allein gelassen fühlen würde.
00:15:06: Wir halten fest die Aktuelle, also akute Ablehnung trifft auf frühere unbewusste Wunden.
00:15:15: Und diese unbewusten Wunden führen zu unbewusstem Erwartungen an Beziehungen.
00:15:21: Also zu unseren Überzeugungen mit denen wir anderen Menschen unsere Situation begegnen.
00:15:27: Haben wir zum Beispiel verinnerlicht dass wir stets ungewollt sind oder die Welt ein Ort ist der uns feindlich gesonnen und übermächtig ist?
00:15:35: Erwarten wir auch gar nicht erst in einer Sache oder Beziehung erfolgt zu
00:15:38: haben!
00:15:40: Dies kann dazu führen, dass wir eine Situation so gestalten, das sie wirklich wieder in der befürchteten Ablehnung ändert.
00:15:48: Wir nennen dies eine selbst erfüllende Prophezeiung.
00:15:52: Hätte unser junger Mann vom Anfang der Folge unbewusst die Erwartungen von seiner Kollegin abgewiesen zu werden?
00:16:00: Könnte es sein, dass er ihr Verhalten als zurückweisend und desinteressiert erlebt und sich vorschnell zurückzieht!
00:16:09: Vielleicht hat sie nur gesagt, dass Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht kann weil sie mit einem anderen Kollegen verabredet ist.
00:16:16: Mehr nicht!
00:16:19: Unser junger Mann hat aber vielleicht aus einer inneren Überzeugung herausverstanden das es bedeuten muss, dass er diesen Kollegen dated und kein Interesse an ihm hat.
00:16:29: Die innere Überzeugungen von ihm könnte lauten Ich werde ohnehin verlassen da brauche ich es gar nicht erst versuchen.
00:16:38: Bleibt diese Überzeugung unbewusst, wird sich die Dynamik stets wiederholen und verfestigen.
00:16:44: Da seine unbewussten Erwartungen dazu führen, dass er schneller Zurückweisung empfindet, neutrale Situation als Ablehnung erlebt oder sich zurückzieht oder anpasst um Ablehnung zu vermeiden.
00:16:57: Kleine Signale werden also als starke Ableohnung interpretiert.
00:17:03: Dies nennen wir auch Übertragung!
00:17:06: Wir übertragen Erfahrung aus früheren Beziehungen in die aktuelle Beziehung, auch in die Therapie.
00:17:14: So dass in unserem Beispiel eine Person unbewusst wie eine frühere ablehnende Bezugsperson erlebt wird.
00:17:25: Das erklärt warum Ablehnung oft so existenziell wirken kann.
00:17:30: Ablehnung berührt zudem fast immer auch unseren Selbstwert.
00:17:34: In der psychischen Analyse sprechen wir von einer nazistischen Kränkung.
00:17:38: Das Bild, welches wir von uns haben, gerät ins Wanken.
00:17:42: Scham, Wut oder Lehre können entstehen wenn wir abgelehnt werden.
00:17:48: Wie stark diese Gefühle sind hängt davon ab wie stabil der Selbstwert innerlich verankert ist.
00:17:55: Ist unser Selbstwert eher fragil treffen uns Trennung und Ablehnung härter.
00:18:00: Vielleicht tun wir dann noch mehr um sie zu vermeiden.
00:18:04: Ist es vor allem unser Selbstwert, der zerbrechlich ist, tendieren wir eher dazu Berufe Beziehungen oder Dinge als Status-Symbole zur eigenen Auffertung zu betrachten.
00:18:16: Handelt es sich eher um die schlimme Erfahrung vom Verlassen werden, die im Vordergrund stehen?
00:18:21: Kann es sein dass unsere Angst bei Ablehnung zu Panik wird?
00:18:26: Wir versuchen uns dann meist wieder mit der Person zu verbinden von der wir uns abgelehnt fühlen.
00:18:32: Wenn wir über Ablehnung sprechen müssen wir aber auch das Thema Borderline zumindest kurz erwähnen.
00:18:39: Bei Menschen mit einer Borderline-Struktur ist die Angst vor Ablehnung nämlich oft besonders intensiv, da hier dramatische Erfahrungen vom Verlassen werden im Kern der Psychodynamik stehen.
00:18:51: Entsprechend dieser tiefen inneren Angst besteht ein Wunsch nach inniger sogar symbiotischer Verbundenheit oder Verschmelzung.
00:19:00: Starke Verlassenheitsängste sowie schnelle Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung, und eine hohe emotionale Reaktivität können dazu führen dass schnell Ablehnung vom Gegenüber erlebt wird oder eine betreffende Person selbst vorschnell jemand anderen ablehnt.
00:19:22: Aufgrund dieser inneren Wunde kann schon kleine Distanz wie massive Zurückweisung und existenzbedrohendes Verlassen werden erlebt werden.
00:19:32: Wenn ihr im Detail erfahren möchtet, wie sich die Borderline-Persönlichkeit entwickelt und wie eine Psychotherapie mit umgegangen wird sei auf die Folgen zu dem Thema verwiesen.
00:19:43: Nun klang hier schon etwas Besonderes an!
00:19:47: Wir sprachen ja bereits darüber dass wir auch lernen müssen selbst etwas abzulehnen.
00:19:53: das kann aber auch innerlich passieren.
00:19:57: Innerpsychisch fragen wir uns in der Psychoanalyse stets, was von uns wir ablehnen.
00:20:03: Mit welchem inneren Anteil sind wir identifiziert und welchen weisen wir zurück?
00:20:10: Häufig liegt die Lösung eines inneren Konflikts oder einer Entwicklungsblockade in diesem zurückgewiesenen Anteil.
00:20:18: Sind wir zum Beispiel zu stark mit dem inneren verletzten Kind in uns identifiziert oder den strengen Antreiber, der stets Leistung fordert.
00:20:28: Liegt das Entwicklungspotenzial darin, dass wir lernen müssen?
00:20:32: Dass wir uns zumindest teilweise von diesen Anteilen entidentifizieren und erkunden?
00:20:39: was wird zurückweisen.
00:20:41: Und gegebenenfalls ins Unbewusste verdrängen.
00:20:44: Weißen wir zum Beispiel autonome Entwicklung für den Erhalt von Bindung zurück.
00:20:50: Diese zurückgewiesenen Anteile oder Bedürfnisse von uns sind häufig auch Scham- oder Angst besetzt.
00:20:57: Autonom sein heißt ja auch Nein sagen.
00:21:01: Das ist nicht leicht, wenn wir wie in unserem Beispiel von dem Mann der bei seiner Mutter einziehen soll, nie dazu ermutigt wurden eigene Wege zu gehen.
00:21:12: Dies führt uns zu den Abwehrmechanismen mit welchen wir Ablehnung begegnen, wenn we sie nicht aushalten können.
00:21:20: Um den Schmerz vor Ablehnung zu regulieren nutzt die Psyche verschiedene AbwehrMechanismes zum Beispiel Rationalisierung ist mir egal war eh unwichtig.
00:21:31: Abwertung, die anderen sind sowieso doof, emotionalen oder realen Rückzug.
00:21:38: Oder Projektion nach dem Motto nicht ich bin unsicher sondern die anderen verhalten sich ablehnt.
00:21:47: Diese Abwehrmechanismen schützen uns kurzfristig vor dem kaum erträglichen Gefühl können aber langfristig Beziehungen erschweren.
00:21:57: Wie können wir also anders mit Ablehnung und Trennung umgehen?
00:22:03: Eine ausreichend gute Bezugsperson, hier sei einmal der Verweis auf unsere Folge zur Godden of Mother gegeben, sorgt für eine ausreichende stabile Basis.
00:22:15: Die Erfahrung selbst gut genug zu sein und dem Umfeld genügend Vertrauen zu können kann verinnerlicht werden.
00:22:22: Wenn diese Gefühle nicht ausreichender verinnerlich werden können – vielleicht weil die Eltern selbst nicht an das Gute in sich glauben können kann die Erfahrung wiederholte Zurückweisung zu einer Bindungsstörung führen.
00:22:35: In dem Sinne, wie wir es eben schon gehört haben – ist für immer wieder unbewusst erwarten zurückgewiesen zu werden oder unsere Furcht und Wut ungefiltert als selbst erfüllende Prophezeiung unsere Beziehungen kaputt machen.
00:22:50: Und dass das unsere Überzeugung davon zurückgewiesen zu werden verstärkt!
00:22:56: Wir sprachen in der Folge zum Thema Trauma und Borderline auch darüber, wie traumatische Erfahrungen von Zurückweisung dazu führen können, dass wir bestimmte Signale überinterpretieren.
00:23:08: Und uns voreilig – vielleicht auch fälschlicherweise – abgelehnt fühlen.
00:23:14: Eine Psychotherapie kann helfen nachträglich eine ausreichend positive Beziehungserfahrung zu machen um ein ausreichendes stabiles psychisches Fundament zu errichten.
00:23:27: Das Ziel aus psychoanalytischer Sicht ist also nicht, Ablehnung zu vermeiden sondern sie realistischer einordnen zu können.
00:23:37: D.h.,
00:23:37: die eigenen inneren Anteile bewusst wahrnehmen zu lernen sich in solchen Moment melden um mit Freuzworten wiederher am eigenen Haus zu werden.
00:23:48: Dafür müssen wir lernen zwischen dem damals und dem heute zu unterscheiden Und die eigenen Gefühle besser zu verstehen.
00:23:56: Ebenso haben wir schon gehört, dass es auch um die Entwicklung eines stabileren Selbstwerts geht.
00:24:03: Dies wiederum beinhaltet, auch Kränkbarkeiten und frühe Beschämungen und Herabwürdigung sowie Momente der Schutzlosigkeit zu betrachten.
00:24:10: In einer psychischen Analyse tun wir dies vor allem durch die Arbeit in der Beziehung im Hier-und-Jetzt – in welcher sich zum einen die Übertragung zeigt?
00:24:21: Mehr dazu übrigens an unserer Folge zum Thema Übertrage und Gegenvertragung!
00:24:25: Und ein erreichbares und einfühlsames Gegenüber, nämlich der Therapeut oder die Therapeuten vorhanden ist.
00:24:34: Das führt uns direkt zur Frage nach dem Umgang mit Ablehnung wenn wir im Alltag sind.
00:24:40: Was in der Psychotherapie gilt hilft nämlich auch außerhalb.
00:24:44: Ablehnung tut immer weh.
00:24:47: Dieser Schmerz ist normal und gehört zum Leben dazu Aber es wird erträglicher Wenn wir ihn mit jemand ausreichend vertrautem teilen können.
00:24:56: Das gilt auch, wenn sich frühe Wunden zeigen.
00:24:59: Gefühle von Angst und Scham, Wut und Schmerz werden leichter erträglich, wenn sie geteilt und verstanden werden können!
00:25:06: So können wir auch lernen, Distanz zu unseren Gefühlen zu finden um uns nicht mit dem Gefühl der Ablehnung zu identifizieren – was nicht leicht ist weil wir vor Natur aus dazu neigen, Ablehnung persönlich zu nehmen, da sie so eine existenzielle Furcht in uns anspricht….
00:25:26: Im Falle von tieferen Wunden hilft oft eine Psychotherapie.
00:25:31: Manchmal braucht es nämlich einen professionellen Raum, um an der Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu arbeiten und Ablehnungserlebnisse zu bewinden – auch weil manche Erfahrungen selbst einen ansonsten stabilen Menschen aus der Bahn werfen können!
00:25:50: Das Förderung von Resilienz, Akzeptanz von sich selbst Und von Problemlösefähigkeiten ist wichtig für den Umgang und um zu lernen, anderen Lösungen eine Chance zu geben.
00:26:04: Und noch ein Tipp zum Schluss!
00:26:06: Ich finde das Vertrauen bzw.
00:26:09: Hoffnung ein wichtiger Punkt im Umgang mit Ablehnung ist.
00:26:14: Wir wissen schlicht nicht was noch kommt und wohin uns unser Leben bringt Aber wie ich mit meinem eigenen Beispiel zeigen wollte, kann Ablehnung selbst wenn wir es in dem Moment noch gar nicht erblicken können tatsächlich gut für uns sein und uns im Leben weiterbringen.
00:26:32: Vertrauen in uns selbst und unser Leben unter die Umwelt ist nicht leicht aber kann uns helfen mit Ablehnung umzugehen.
00:26:45: Mit den Worten des österreichischen Lyrikas Rainer Maria Rilke So leben wir und nehmen immer Abschied.
00:26:55: Rilke beschreibt die menschliche Existenz damit als ein Zustand ständiger Vergänglichkeit, in dem wir nie wirklich ankommen sondern stets im Aufbruch begriffen sind – ähnlich einem Wanderer der von einem Hügel ein letztes Mal zurückblickt.
00:27:13: Wenn wir Trennung und Ablehnung nicht aushalten kommen wir nie auf den Hügl Kommen wir nie wieder runter.
00:27:26: Und damit sind wir auch langsam am Ende unserer heutigen Folge angekommen!
00:27:31: Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht und danke euch sehr fürs Zuhören.
00:27:35: Lasst mich gerne wie immer wissen was ihr von der Folge haltet nebenbe sie bewertet dort wo ihr sie hört oder lasst mir euer Feedback auf Instagram unter hohefreut-Podcast dar.
00:27:48: Kleiner Funfact zu der Folge.
00:27:50: eigentlich war geplant dass das hier Folge vierzig wird Aber durch die aktuellen berufspolitischen Veränderungen im psychotherapeutischen Raum, zum Zeitpunkt der Aufnahme dieser Folge war es dann doch wichtig erstmal das eine oder andere Thema umzustrukturieren.
00:28:08: Wie gesagt vielen Dank fürs Zuhören!
00:28:10: Die heutige Folge war mir wichtig und ich habe mich gefreut dass sie jetzt endlich fertig ist und ich hoffe darauf euch beim nächsten Mal wieder dabei zu haben.
00:28:20: Abonniert gerne auch den kostenlosen psychologischen Newsletter, um bei allem auf dem Laufen zu bleiben was hoher Freude angeht.
00:28:28: Und wie gesagt bis zum nächsten Mal!
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