Folge 44 - Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung - Teil 1

Shownotes

Heute tauchen wir tief in die psychodynamischen Theorien hinter komplexen Traumatisierungen ein und greifen damit erneut das Thema Trauma auf. Im Mittelpunkt stehen diesmal jedoch Traumatisierungen in der (frühen) Kindheit, die auch als Entwicklungstraumata bezeichnet werden. Wir sprechen über die Abgrenzung zu Traumata, die im erwachsenen Leben erworben werden und erleben die psychoanalytische Sichtweise auf dieses Thema. Da dieses Thema sehr umfangreich ist, teilen wir die Folge in zwei Teile: Heute beschäftigen wir uns mit den Grundlagen, beim nächsten Mal mit der psychotherapeutischen Arbeit.

Hier geht's zur ursprünglichen Folge über Traumata: https://open.spotify.com/episode/74XzohlgDWmmH3xlQRNRkv

Weiterführende Literatur:

Wöller, W., Lampe, A., Schellong, J., Leichsenring, F., Kruse. J. & Mattheß, H. (2025). Psychodynamische Therapie der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung: Ein Manual zur Behandlung nach Kindheitstrauma (2. Nachdruck). Stuttgart: Schattauer.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Nachdem wir uns zu Beginn des Podcasts in Folge sechs mit dem Thema Trauma beschäftigt haben, wollen wir nun zweieinhalb Jahre später noch einmal vertief darauf zurückkommen.

00:00:11: Diejenigen von euch die den Newsletter verfolgen wissen bereits dass sich bei mir zunehmend das Gefühl eingestellt hat dem ein oder anderen Thema aus den Anfängen des Podcast bisher nicht ausreichend gerecht geworden zu sein beziehungsweise dass es an der einen oder anderen Stelle noch mehr zu sagen gibt.

00:00:31: Nachdem wir in Folge einundvierzig das Thema Psychosomatik noch einmal aus einer gänzlich anderen Perspektive beleuchten konnten, möchte ich heute auf euren Hörerwunsch eingehen und dem Thema Trauma erneut Raum geben.

00:00:45: Auch deshalb falle es sich hierbei um ein unglaublich wichtiges Thema in der Psychotherapie handelt – dass inzwischen auch in meiner eigenen Praxis einen deutlich größeren Stellenwert eingenommen hat als noch vor zweieinhalb Jahren!

00:00:58: Genauer gesagt möchte ich heute über die sogenannte komplexe posttraumatische Belastungsstörung sprechen.

00:01:20: Und damit herzlich willkommen zur vierundvierzigsten Folge unseres psychodynamischen Podcasts, hoch erfreut euch wieder dabei zu haben!

00:01:29: Heute zum Thema Die Komplexe Postramatische Belastung Störungen.

00:01:35: Da das heutige Thema durchaus komplex ist und ich den verschiedenen Aspekten ausreichend Raum geben möchte, wird es hierzu zwei Teile geben.

00:01:45: Heute besprechen wir die Grundlagen und die Psychodynamik der komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen.

00:01:52: In der nächsten Folge wird es dann um die konkrete Therapie gehen Und natürlich sei an dieser Stelle noch einmal auf Folge sechs verwiesen.

00:02:02: Falls ein Aspekt heute nicht angesprochen wird kann es sein dass dies bereits dort geschehen ist.

00:02:07: Da die heutige Folge ebenso wie die nächste, wie gesagt eine Vertiefung des Themas Trauma darstellt werden wir einige Punkte wiederholen und weiterführen.

00:02:19: Hauptsächlich orientiere ich mich dabei übrigens an dem und Johannes Kruse, mit dem Titel Psychodynamische Therapie der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

00:02:46: Das ich Euch auch in die Shownutz schreiben werde!

00:02:50: Bevor wir einsteigen – wie entsteht eigentlich ein Trauma?

00:02:55: Und was ist der Unterschied zwischen einer Posttraumaticen-Belastungsstörung, kurz PTBS, Ein Trauma entsteht, wenn ein Mensch etwas erlebt das extreme Angst Hilflosigkeit und Kontrollverlust auslöst.

00:03:16: Und die eigenen Bewertigungsmöglichkeiten überfordert.

00:03:20: Dabei wird das Gehirn von Stresshormonen überflutet, wodurch die Informationsverarbeitung blockiert wird.

00:03:28: Psychodynamisch gesprochen geht es um Erlebnisse, die symbolisch nicht repräsentiert werden können die also derart bedrohlich und überwältigend waren, dass sie die Fähigkeit der Psyche überfordern das Erlebte in Worte zu fassen.

00:03:44: Und in kohärente Erinnerung zu transformieren!

00:03:48: Anstelle von Erinnerungen an das schlimme Geschehen existieren nur Erinnerungsfragmente Bilder Geräusche Körpervernehmung Effektzustände Handlungsmuster.

00:04:04: Charakteristisch für diese Fragmente ist, dass sie nicht als abgeschlossen also der Vergangenheit zugehörig erlebt werden können.

00:04:13: Diese Erlebnisse existieren abgekapselt in uns weiter und nehmen quasi nicht mehr an unsere Entwicklung teil.

00:04:21: dadurch können Sie sich nicht verändern und sich auch nicht erledigen.

00:04:26: das Geschehene so schlimm es auch war ist zwar vorbei wird jedoch so erlebt als geschehe es immer wieder mir und jetzt.

00:04:35: Das Grundgefühl von Sicherheit, das uns im Alltag stabilisiert – auch wenn es zum Teil sicherlich illusorisch ist – geht verloren.

00:04:43: Stattdessen entsteht ein generalisiertes Bedrohungserleben.

00:04:48: Die Welt wird nicht mehr als einschätzbar und sicher erlebt!

00:04:52: Es entwickelt sich eine andauernde Habachtstellung, verbunden mit dem Gefühl jederzeit erneut traumatische Erfahrungen ausgeliefert sein zu

00:05:01: können.".

00:05:05: Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht also durch solche massiv überfordernden und bedrohlichen Ereignisse.

00:05:13: Hierbei kann es sich um Einzelne, aber auch um wiederholte Erfahrungen in allen Lebensbereichen- und Altersgruppen handeln.

00:05:21: Ein Missbrauch kann traumatisieren!

00:05:24: Ein schlimmer Zahnarztbesuch kann es ebenfalls wenn er als extrem hilflos machend, bedrohlig und unausweichlich erlebt wird.

00:05:35: Wenn es sich bei den traumatisierenden Erlebnissen jedoch um Erfahrung handelt, die bereits in der Kindheitsgeschehen sind weiß das entstehende Störungsbild häufig einige Besonderheiten auf.

00:05:47: Kindheits- und Jugendtraumatisierung treten in der Regel in einem familiären Umfeld auf dass durch emotionale Vernachlässigung gekennzeichnet ist.

00:05:55: Es handelt sich meist um wiederholte Missbräuche und Misshandlungen.

00:05:59: Das bedeutet auch, dass es sich nicht um klar abgrenzbare Ereignisse dreht bei denen es einen davor und danach gibt sondern um eine andauende Atmosphäre von Bedrohung, Schutzlosigkeit und emotionalem Alleingelassen werden.

00:06:17: Das Trauma war so kein einzelnes Ereignis das Trauma der Alltag.

00:06:23: Nicht selten beginnt dies bereits in der präverbalen Lebensphase also den ersten drei Lebensjahren.

00:06:31: Erlebnisse aus dieser Zeit können noch nicht als konkrete Erinnerung im Bedechnis abgespeichert werden.

00:06:38: Traumatische Erlebnisse in dieser Zeit beeinträchtigen die kindliche Entwicklung nachhaltig, vor allem die Beziehungsfähigkeit, die strukturellen Fähigkeiten etwa die Emotionsregulation sowie die inneren Repräsentanzen des selbst unter wichtigsten Bezugsperson verändern sich gravierend.

00:06:59: Zu den Schädigungen durch Gewalt und Missbrauch kommt zudem die Schädigung durch den erlebten Verrat hinzu, etwa durch wegschauen sowie die emotionale Gewalt durch beispielsweise einsperren oder terrorisieren seitens der Bezugsperson.

00:07:17: Hervorzuheben ist auch die traumatische Erfahrung des Allein- und Verlassenwerdens, die für jedes Kind ein existenzielles Thema darstellt und in massiven Gefühlen der Hilflosigkeit verknüpft ist.

00:07:32: Von dem eigenen Bezugspersonen Als nicht liebenswert oder als zu viel behandelt zu werden, führt zu einer Selbstrepräsentanz in der man sich tatsächlich als nicht liebeswert erlebt und glaubt eher der Bedürfnisbefriedigung des Gegenübers dienen zu müssen.

00:07:50: Im Umkehrschluss entsteht die Überzeugung keine eigenen Bedürfenisse haben zu dürfen.

00:07:58: Andere vor allem wichtige Menschen werden dagegen als übermächtige Retter Potenziell schädliche, enttäuschende und unberechenbare gegenüber wahrgenommen.

00:08:11: Das Ergebnis derartiger Repräsentanzen des Selbst- und der Umwelt ist das eigene Bedürfnisse nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden können – dass eine Neigung zur Selbstenwertung und Selbstschiligungen entsteht?

00:08:25: Und die Überzeugung vorherrscht, eine gute Behandlung nicht verdient zu haben!

00:08:31: Unsichere und desorganisierte Bindungsmuster sowie die Tendenz, sich immer wieder in retraumatisierende Situation zu begeben und sich an schädigende Partner zu binden sind Folgen der frühen Situationen, in der die betroffene Person mit den Schädigen im Bezugspersonen zusammenleben musste.

00:08:50: Von ihnen abhängig war und diese täglich versorgen musste.

00:08:56: Die Auswirkungen dieser schädlichen Einflüsse werden auch als Bindungs- oder Entwicklungstraumata bezeichnet.

00:09:05: Neben der Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung sind hier vor allem die komplexen Persönlichkeits- und Strukturveränderungen relevant.

00:09:15: Während bei der postraumatische Belastungsstörung, die Angst vor einem Wiedererleben dominiert, steht bei einer komplexem Postramatischen Belastungsstörung eine tiefgreifende Veränderung der gesamten inneren Welt im Mittelpunkt.

00:09:30: Die Veränderungen der Selbst- und Fremdwahrnehmung chronische Schuld, Scham und leere Gefühle, eine dauerhafte Angespantheit, Veränderung persönlicher Glaubens- und Wertvorstellungen, schwere Störungen der Selbstwettregulationen unter Sicherheitserlebens sowie die Neigung zur Trauma-Wiederholung oder sogenannten Rewiktimizierung.

00:09:54: Und schließlich dass häufig gemeinsame Auftreten mit Depressionen, Angststörungen, Dissoziativen Substanzabhängigkeit, Essstörung sowie den sogenannten Persönlichkeitsstörungen machen das klinische Bild nach Kindheitstraumatisierung außerordentlich komplex und begründen dem Begriff der Komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

00:10:22: Nachdem wir nun viele Informationen gehört und geklärt haben weshalb wir eben von einer komplexen Posttraumaticen Belastung Störung sprechen Wollen wir uns anschauen, wie die eben beschriebenen Aspekte psychodynamisch verstanden und eingeordnet werden?

00:10:37: Und welche Beiträge die Psychoanalyse zum Verständnis um zum Umgang mit komplexem Traumatter leisten kann.

00:10:46: Die Beschäftigung mit Traumater ist von Anfang an Teil der Psychoanalyse.

00:10:51: Bereits in den letzten Jahren beschrieben Siegmund Freud und Josef Breuer sogenannte Verführung durch Erwachsene.

00:10:59: Heute würden wir von sexuellen Übergriffen sprechen, die bei hysterischen Patientinnen zu veränderten Bewusstseinszuständen führen würden.

00:11:09: Sie formulierten dabei nicht nur Entstehungstheorien sondern auch Gedanken zu einer Zitat katatischem Abfuhr eingeklemmter Effekte was wir heute am ehesten als Desensibilisierung bezeichnen würden.

00:11:27: Dabei geht es darum dramatische Erinnerungen von ihrer extremen emotionalen Belastung zu befreien, etwa im Rahmen einer schrittweisen Konfrontation mit den Auslösern des Traumers.

00:11:41: Das Nervensystem soll dabei soweit beruhigt werden, dass das Geschehene verarbeitet werden kann.

00:11:49: Freud verstand die als unkontrollierbar und überflutend erlebte Angst von Menschen mit dramatischen Erfahrungen – in Abgrenzung zur Angst im Rahmen von Konfliktpatologien als Resultat einer durchbrochenen Reizschranke.

00:12:04: Die traumatische Energiemenge überschreitet dabei die Verarbeitungskapazität der Psyche – sie überfordert Sie!

00:12:15: Auf den französischen Psychiater Pierre Jaunet geht wiederum der Gedanke eine Schwäche der integrativen Kapazität von Persönlichkeit zurück, die genetisch verankert sei und sich unter traumatischen Einflüssen zeige.

00:12:33: Auch die Überlegung zum Wiederholungscharakter traumatischer Erfahrung gehen auf Freud zurück.

00:12:39: Er verstand diese als ein Versuch der psychetraumatische Erfahrung nachträglich zu bewältigen.

00:12:47: Freud beschrieb, dass Menschen immer wieder Situationen aufsuchen, die dem ursprünglichen Trauma ähneln – um sie in einer Wendung vom Passiven ins Aktive nun kontrollieren und beeinflussen zu können!

00:13:02: Der ungerische Psychanolithiker Sandor Ferenchi beschrieb die bis heute relevante Introjektionsdynamik von Opfern, von Kindesmisshandlungen und Kindesmisbrauch.

00:13:13: Genauer gesagt beschrieb er, dass sich das traumatisierte Kind selbst als unwertes egoistisches oder böses Kind definiert um die Bindungsbeziehung zu den wichtigen Bezugspersonen aufrechterhalten zu können.

00:13:30: Durch die Überzeugung von der eigenen Schlechtigkeit kann das Kind, die Eltern als gute Objekte bewahren.

00:13:37: Es nimmt quasi die Schuld für das schlimme Geschehen auf sich.

00:13:42: Ferenchi spricht von einem Versöhnungsversprechen, dass mit einer Schuldübernahme einhergeht.

00:13:48: Sobald das Kind sich wieder den Vorstellungen der Eltern entsprechend verhält werden diese wieder liebevoll mit ihm umgehen.

00:13:57: Die vorhin bereits beschriebene verminderte Fähigkeit zur Selbstfürsorge, das geringe Selbstwertgefühl und die negativen Überzeugungen als Mensch unwert oder morale schlecht zu sein – und somit eine wertschätzende oder respektvolle Behandlung gar nicht erst verdient zu haben – können als direkte Folge dieser Verinnerlichung dramatischer Beziehungsmuster verstanden werden.

00:14:22: Und was ich noch hinzufügen würde ist dass sich das Kind unbewusst auch vor der Hoffnung schützt dass es besser werden könnte, um sich wiederum vor schmerzhaften Gefühlen der Enttäuschung zu schützen.

00:14:35: Auch dies hätte zur Folge das die Eltern nicht mehr als gute Objekte aufrechterhalten könnten.

00:14:43: Ferenski führt weiter aus, dass Kinder auf diese Weise zu Objekten der Bedürfnisbefriedigung ihrer Eltern werden.

00:14:50: Dies lässt Schamgefühle aufgrund der erlebenden Degradierung aus – diese sich zum Schulderleben ein schlechtes Kind zu sein und zu gesellen!

00:15:01: Diese Dynamik geht allerdings noch tiefer, da die Eltern – wir könnten hier auch von Tätern sprechen – nicht selten ganz aktiv Schuld- und Schamgefühle bei ihren Kindern erzeugen.

00:15:13: Indem sie sie zu Sündenböcken für alles schlechte in der Familie machen, ihnen die Schuld für die Misshandlung geben oder ihn vorwerfen, sie hätten ja nichts Nein gesagt

00:15:23: bzw.,

00:15:24: die Täter

00:15:24: verführt.".

00:15:28: Die Folge solcher Dynamiken sind tief in der Persönlichkeit verankerte Gefühle von Ohlmacht, ausgeliefert sein und existenzieller Angst vor dem Verlassen werden.

00:15:39: Die bereits genannten Störungen des Selbstwertgefühls sowie die Überzeugung kein Recht auf eigene Gefühl und Bedürfnisse zu haben.

00:15:49: Die von diesen Verinnerlichungen den sogenannten Introjekten Ausgehenden Gefühle von Selbsthass und die selbst zerstörerischen Tendenzen werden dabei oft nicht als zur eigenen Person gehörig erlebt.

00:16:04: Sie werden viel mehr als Fremdkörper im Selbst empfunden.

00:16:10: Diese Innerodynamik ist uns nicht zufällig bereits beim Thema der Borderline-Persönlichkeitsorganisation begegnet, da diese nicht selten eine Folge komplexer Traumatisierung.

00:16:25: Und auch selbst die Tendenz zu Wiederholung traumatischer Erfahrungen, von der wir eben gehört haben kann als Folge der Introjektion negativer Beziehungserfahrung verstanden werden.

00:16:35: Dies liegt daran, dass die Überzeugung wertlos zu sein – die Wahrscheinlichkeit einer Reviktimisierung erhöht!

00:16:43: Insbesondere dann werden gleichzeitig die Überzeugung besteht, Strafe verdient zu haben oder Misshandlungen als Normalität akzeptieren zu

00:16:53: müssen.".

00:16:56: Der innere Druck dieser Introjekte kann so groß sein, dass eine traumatisierte Person immer wieder gefährliche Situationen aufsucht um Entlastung zu erfahren.

00:17:08: Masochistisch anmutender Verhaltensweisen haben ihren Ursprungen häufig in solchen unerträglichen inneren Spannungszuständen.

00:17:19: Allerdings kann auch das Bedürfnis es aus der Kindheit Vertraute wiederherzustellen zur Revictimisierung führen Wenn sich eine Person erneut in gewaltvolle Beziehungen begibt, die der frühen Situation ähneln.

00:17:35: Zudem kann das Aufsuchen von Situationen, die da traumatisierenden Erfahrungen gleichen auch ein unbewusster Versuch der Traumabewältigung sein wie wir bereits bei Freude gehört haben.

00:17:49: Die Unfähigkeit sich zu schützen kann letztlich aus der Schwierigkeit resultieren Gefahren angemessen antizipieren zu können was ebenfalls eine Folge davon sein kann, selbst keinen ausreichenden Schutzer fahren zu haben.

00:18:06: Neben der Introjektion spielt aber auch der von Anna Freud beschriebene Abwehrmechanismus der Identifikation – eine wesentliche Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung von Opfern traumatisierender Gewalt.

00:18:21: Dabei identifiziert sich das Kind mit dem Täter und beginnt sich ähnlich zu verhalten, sei es gegenüber sich selbst oder gegenüber anderen.

00:18:33: Wenn beispielsweise die Gewalt des Vaters am kleinen Bruder aussagiert wird, kann dies als Anpassungsleistung verstanden werden, die das Überleben sowie die Bindung an die Täter sichert und zugleich vor Gefühlen von Ohnmacht- und Hilflosigkeit schützt.

00:18:52: Die Wirkung dieser aggressiven Persönlichkeitsanteile zeigt sich darüber hinaus in selbstverletzendem Verhalten oder darin dass Opfer von Kindesmissbrauch später ihre eigenen Kinder ebenfalls dramatisieren.

00:19:06: Sie kann sich aber auch in der Psychotherapie zeigen, wenn sich eine Beziehungskonstellation entwickelt, in der der oder die Therapeuten zum Opfer des-oder der Patientin wird.

00:19:22: Vertreter der Objektbeziehungstheorie wie Michael Ballens betonten früh die Bedeutung der therapeutischen Beziehungen – insbesondere in der Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen.

00:19:34: Ballent stellte fest, dass Patientinnen mit einer sogenannten Grundstörung – damit sind strukturelle Defizite in Folge traumatischer Erfahrung gemeint – im Vergleich zu Patientenen bei denen rotische Konflikte im Vordergrund stehen stärker von einer positiven Beziehungserfahrung profitieren als von Einsichtsprozessen ins Unbewusste oder von therapeutischen Deutungen.

00:20:00: Ebenso sind die Beiträge von Donald Winnicott bis heute von großer Bedeutung für den Umgang mit komplex traumatisierten Patientinnen.

00:20:10: Er betonte die mütterliche Funktion des Haltens, die Entwicklungsfördernde Wirkung einer unaufdringlichen therapeutischen Beziehung im Gegensatz zu einer eher strengen und stark auf Deutungen setzenden Haltung sowie die Rolle des Therapeuten als Objekt das vom Patienten verwendet werden

00:20:29: kann.".

00:20:32: Zusammengefasst geht es dabei um einen validierenden und haltenden Umgang mit den Gefühlen, die sich innerhalb der therapeutischen Beziehung zeigen sowie um die Betonung einer akzeptierenden Grundhaltung.

00:20:47: In der nächsten Folge werden wir hierauf noch genauer eingehen.

00:20:53: Aber wo wir gerade auf der Beziehungs-Ebene sind?

00:20:56: Der Psychoanalytiker Martin Elad Balza hat beschrieben wie unter Bedingungen völlig ausgeliefert seins eine Ich-Regression stattfinden kann.

00:21:08: Dabei wird der Täter als eine strenge, aber im Grunde liebende Elternfigur fantasiert – die sich nach vollzogener Strafe sicherlich wieder versöhnlich zeigen wird.

00:21:20: Die eigene Person wird dabei zu einem unwerten und schuldigen Kind.

00:21:26: Die Erkenntnis dass der Tater sich schädigend verhalten hat wird dagegen zu einem existenziell erlebten Trauma, bei dem frühkindliche Ängste vorm Völligen verlassen werden aktiviert werden.

00:21:40: Auf diese Weise muss die Realität verdrängt und der Täter geschützt werden – das kann dazu führen dass eine schädigende Situation nicht verändert werden darf.

00:21:54: Erkenntnisse aus dem Bereich der Ich-Psychologie helfen dabei, die bei komplex dramatisierten Menschen regelmäßig auftretenden Defizite in den Ich-Funktionen zu konzeptualisieren.

00:22:05: Etwa Probleme der Emotionsregulation oder verändernde Selbstwahrnehmung.

00:22:12: Auch hier ist die Unterscheidung zu Patientinnen wichtig, bei denen primär neurotische Konflikte im Vordergrund stehen – da sich die ich strukturellen Voraussetzungen in der Regel deutlich unterscheiden.

00:22:23: Letztere weisen zumindest eine relative Ichstärke auf und sind zu reifen Abwehrmechanismen fähig, wodurch neurotische Entwicklungen überhaupt erst zustande kommen.

00:22:35: Bei komplex traumatisierten Menschen liegen hingegen meist schwerwiegende Schädigungen emotionsregulierender Kortikala-und lümbischer Hörnregion vor die die strukturellen Einschränkungen miterklären können.

00:22:50: Die Störung der Emotionsregulation zeigt sich in undifferenzierten negativen Effektzuständen.

00:22:57: Gemeint sind damit intensive überwältigende Gefühlszustände, bei denen Emotionen nicht klar voneinander unterschieden oder benannt werden können.

00:23:09: Diese Zustände werden häufig von Scham, Schuld, Ohnmacht und Verzweiflung dominiert – und äußern sich oft auch in körperlichen Reaktionen!

00:23:20: Nicht zuletzt deshalb, weil sie psychisch kaum gehalten werden können.

00:23:25: Gerade bei Männern zeigen sich hier zudem nicht selten impulsive Gewalthandlungen.

00:23:32: Ausgelöst werden diese Zustände durch Reize im Alltag – die Ähnlichkeit mit traumatischen Erfahrungen aus der Kindheit aufweisen.

00:23:41: Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

00:23:48: Als weitere Ursache für die strukturellen Defizite kommt hinzu dass vorhandene Kompetenzen durch negative Selbstrepräsentanzen dramatischen Ursprungs blockiert werden.

00:24:00: Dies ist einer der Gründe, weshalb ein ressourcenorientiertes Arbeiten so wichtig ist.

00:24:08: Ebenso ist als Ursache für die vermünderte Fähigkeit sich um sich selbst zu kümmern, sich zu schützen und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen – die frühe und regelmäßig zu beobachtende Dynamik in Misshandlungsfamilien zu nennen, Das bedeutet, dass das Kind sich um die Bedürfnisse der Eltern kümmern und diese versorgen muss.

00:24:35: Letztlich ist noch die Mentalisierungsfähigkeit als wichtige Ich-Funktion zu nennen, die bei Menschen mit Kindheitstraumata regelmäßig beeinträchtigt ist – von der wir sowohl in der letzten Folge aber auch in der Folge zur mentalisierungsbasierten Therapie ausführlich gehört haben.

00:24:54: Deshalb nur kurz!

00:24:56: Mentalisieren meint die Fähigkeit, eigenes und fremdes Verhalten als bedeutungsvoll zu verstehen und dahinter Wünsche, Absichten, Gefühle und Gedanken zu vermuten und zu interpretieren.

00:25:11: Die Psychonalytiker Peter Phonegi und Anthony Bateman postulieren das sich die Mentalisierungsfähigkeit im Rahmen einer sicheren Bindung entwickelt – und zentral dafür ist dass wir unsere Beziehung ausreichend gut gestalten können!

00:25:27: Bindungstraumota beeinträchtigen die Entwicklung dieser Fähigkeit, was sich auch in den Herausforderungen des psychotherapeutischen Prozesses widerspiegelt.

00:25:38: Ein weiterer wichtiger Punkt ist dass die Psychoanalyse schon früh das vorhandensein unterschiedlicher Selbstzustände beziehungsweise Ego-States beschrieben hat.

00:25:51: Diese Selbstzuständen können auch voneinander abgespalten sein.

00:25:56: Vor dem Hintergrund früher Dramatisierung ist dabei relevant, dass ein Überleben unter bindungstramatischen Bedingungen voraussetzt widersprüchliche Selbstzustände die nicht zusammenkommen dürfen mit Hilfe dessoziativer Mechanismen voneinander zu trennen.

00:26:16: Was das bedeutet wurde vom US-amerikanischen Psychoanletiker Leon Wormser beschrieben.

00:26:22: Er zeigte auch, wie Persönlichkeitsabspaltung mit massiven und tiefgreifenden inneren Konflikten sowie Geboten, Normen- und nicht ideal Forderungen einhergehen die unvereinbar miteinander sind.

00:26:37: Nicht selten kommt es beispielsweise vor dass sich eine Person aus Loyalität gegenüber einer Bezugsperson oder aus Angst vor deren Verlust zu einer Handlung verpflichtet fühlt für die sie sich gleichzeitig zutiefst schämt und schuldig fühlt.

00:26:55: In so einer Situation müsste zum Beispiel der Teil, der sich für die Handlung schämt, abgespalten werden.

00:27:02: Da die Angst des anderen Anteils, der die Bindung bewahren will bzw.

00:27:07: Angst hat diese Bindung zu verlieren, zu groß ist um beide Gefühle zusammen als nicht miteinander vereinbar erlebt.

00:27:19: Eine solche Dynamik könnte sich dann später immer wachsenden Leben auch wiederholen, wenn eine Person sich zum Beispiel von einem Partner oder einer Partnerin zur Handlung hinreißen lässt die Eredo sie eigentlich gar nicht will aus Angst die Bindung zu verlieren.

00:27:35: Dadurch dass der Teil der die Handlung gar nicht Will sich so bedrohlich anfühlt das er abgespalten werden muss wird aber auch nicht gemerkt d. h., die Person begeht eine Handlung und merkt in dem Moment gar nicht, dass sie das vielleicht gar nicht will.

00:27:52: Nach Wormser gilt, je schwerer die Traumatisierung, desto strenger sind diese Persönlichkeitsanteile bzw.

00:28:00: desto mehr Druck machen Sie.

00:28:05: Hierauf baut der Psycheanletiker Philipp Bromberg auf.

00:28:10: Er postuliert in seiner Theorie des Selbstes, dass die Selbstzustände eines Menschen – damit sind die Igustates gemeint Nicht mehr flexibel miteinander kommunizieren können, wenn dieser Mensch traumatischer Erfahrung macht die sein Bindungssystem überfordern.

00:28:27: Die Psyche kapselt dann bestimmte Anteile ab.

00:28:31: Psychische Störungen bis hin zu Persönlichkeitsstörung werden von Bromberg als eine Form der chronischen Einschränkung dieses gesunden Wechsels zwischen verschiedenen Selbstzuständen verstanden.

00:28:45: Die Folgen einer solchen Blockade sind rasch wechselnde Ich-Zustände und Stimmungslagen, oder auch ein Wechsel zwischen Idealisierung und Entwertung anderer Menschen.

00:28:57: Der Preis dieser Blockade ist zudem eine pathologische Verzerrung der inneren Repräsentanzenwelt sowie eine beeinträchtigte Fähigkeit sich selbst als einheitlich und vorher sackbar zu erleben.

00:29:12: Dies führt häufig zu inkohärenten Erzählungen und Erlebensweisen.

00:29:19: Hier wird auch verständlich, weshalb komplex dramatisierte Menschen häufig mit kindlichen inneren Anteilen ihres selbst identifiziert sind.

00:29:28: Durch diese Identifikation hatte der Mensch im frühen bindungstramatisierenden Umfeld die Möglichkeit in der Rolle des kleinen unwissenden und hilflosen Kindes die Bindung an die wichtigen Bezugspersonen aufrechtzuhalten.

00:29:46: Auch andere Persönlichkeitsanteile bzw.

00:29:48: Ich-Zustände, die damals überlebenswichtig waren können auf diese Weise in den Vordergrund rücken.

00:29:55: Eine aggressive oder besonders durchsetzungsfähige Seite kann beispielsweise vor Überforderung geschützt haben.

00:30:03: In Ermangelung anderer Vorbilder konnten sich diese Anteile jedoch häufig nur an dem destruktiven und grenzüberschreitenden Verhalten der Bezugsperson orientieren.

00:30:15: So kann es dazu kommen, dass aggressive Persönlichkeitsanteile mit den aggressiven Bezugspersonen identifiziert sind und sich ein Mensch schließlich ähnlich verhält wie es die damaligen Täter taten.

00:30:32: Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Traumata immer wieder auftaucht ist der des Flashbacks.

00:30:39: Flashbacks bezeichnen aufblitzende Erinnerungen an die traumatische Situationen, die sich besonders lebhaft real und intrusiv anfühlen.

00:30:50: Sie werden durch Assoziation im Alltag ausgelöst wenn etwas in der gegenwärtigen Situation an die frühe traumatisierender Erfahrung erinnert.

00:31:01: Doch warum zeigen sie spuren traumatische Erfahrungen so häufig in stereotypischen Verhaltensweisen?

00:31:08: Wiederkehrenden Träumen, sich zwanghaft aufträngende Gedanken oder eben in Form von Flashbacks.

00:31:16: Eine Antwort darauf gibt die Theorie des Traumagedächtnisses.

00:31:21: Sie besagt dass Erfahrung unter dem Einfluss dramatischer Ereignisse und mithilfe dissociativer Mechanismen nicht im expliziten Gedächtnis gespeichert werden.

00:31:33: Das bedeutet, dass sie dem Bewusstsein nicht unmittelbar zugänglich sind – dies schützt die betroffene Person vor einer Überflutung am Alltag!

00:31:44: Die Erinnerungen verschwinden jedoch nicht einfach.

00:31:48: Stattdessen werden Sie als nicht symbolisierte Erinnerungsspuren im impliziten Gedechenes gespeichert.

00:31:55: Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass die Erinnerung nicht durch aktives Erinnern abgerufen werden kann.

00:32:02: Unter bestimmten Umständen allerdings reaktiviert wird – etwa durch Alltagssituationen, die der ursprünglichen traumatisierenden Erfahrungen ähneln.

00:32:13: Dies nennen wir Trigger-Situationen.

00:32:18: Verschiedene psychoanalythische Autorinnen haben zudem darauf hingewiesen, Traumaerinnerung den Prozessen von Abwehr und Fantasiebildung unterliegen.

00:32:31: Freud sprach in diesem Zusammenhang von der Nachträglichkeit, damit verwies er darauf dass Erinnerungen zu einem späteren Zeitpunkt durch neue Erfahrungen verändert werden und einen neuen Sinn erhalten können.

00:32:47: Für das Verständnis dramatischer Erfahrung liefert uns dies ein wichtigen Hinweis.

00:32:54: Es ist nicht nur das Ereignis selbst, dass belastend oder traumatisierend war.

00:33:00: Auch die Art und Weise wie mit dem Erlebten umgegangen wird hat einen wesentlichen Einfluss darauf was dieses Eregnis mit uns macht?

00:33:10: Oder was wir daraus machen?

00:33:14: Generell fehlt es im psychologischen Raum leider an theoretischem Modellvorstellung zur veränderten Erinnerungsspeicherung unter dem Einfluß von Traumata.

00:33:24: Ein Modell, das auf die Arbeiten von Pierre Jaunet Freud und Breuer bezugnimmt geht vom folgenden Annahmen aus.

00:33:35: Im Normalfall verfügt ein Mensch über die Fähigkeit psychische Inhalte, die durch hochbelastende oder betrohliche Erlebnisse entstehen mit den Repräsentanzen seiner Gedanken, Gefühls- und Beziehungswelt des Alltags zu assoziieren.

00:33:53: Wenn beispielsweise jemand nach einem schlimmen Ereignis im Gespräch mit einer vertrauten Person Trost findet, wird die Repräsentanz des belastenden Eregnisses mit der Repräzentanz des tröstenden Eereignisses verbunden.

00:34:09: Das Gefühl der Bedrohung wird durch das Gefühl des Trostes abgemeldert und das bedrohliche kann als abgeschlossen abgespeichert werden – es kann ausgehalten werden!

00:34:22: Fehlt dieser Trost?

00:34:24: wie es bei einem bindungstraumatisierenden Umfeld in der Regel der Fall ist, bleiben die Repräsentanzen der bedrohlichen Situation bedrohlig und überwältigend.

00:34:36: Ohne ausgleichende und haltende positive Beziehungsrepräsentanz kann die Funktionsfähigkeit im Alltag jedoch nicht aufrechterhalten werden, da die Alltagswelt nun übermäßig mit den bedrohnlichen Repräzentanzen assoziiert wird.

00:34:53: Der Alltag würde gewissermaßen von traumatischen Inhalten überflutet werden.

00:34:59: Es kommt daher zu einer Verarbeitung durch Dissoziation, bei der die bedrohlichen Erinnerungen in einen anderen Bewusstseinszustand überführt werden.

00:35:11: Auf diese Weise kann dem selbst die Vorstellung eines sicheren vorhersagbaren und geordneten Lebens erhalten bleiben.

00:35:20: Die abgespaltenen Inhalte Verbleiben fortan außerhalb der Repräsentantenwelt des Alltags.

00:35:27: Können wir doch, wie bereits beschrieben, jederzeit wieder durchbrechen?

00:35:32: Die Behandlung der komplexen postramatischen Belastungsstörung verfolgt das Ziel die von den abgespaltenen Inhalten ausgehende Stressbelastung zu reduzieren so dass die Abspaltung schrittweise rückgängig gemacht werden kann.

00:35:49: Die Inhalte können dann wieder mit der Repräsentanzenwelt des Alltags in Verbindung gebracht werden.

00:35:57: Aus der modernen Gebetschenesforschung wissen wir, dass Erinnerungen bei jedem Abruf formbar werden – ähnlich dem was Freud mit dem Begriff der Nachträglichkeit beschrieben hat.

00:36:11: So können im Rahmen einer therapeutischen Beziehung beispielsweise durch die Erfahrung eines sicheren Raums neue Repräzentanzen entstehen die die Auseinandersetzung mit den bedrohlichen Inhalten Stück für Stück ermöglichen.

00:36:27: Entscheidend ist dabei, dass in der Psychotherapie nicht nur eine korrigierende Beziehungserfahrung angeboten wird sondern auch direkt an dem Aufbau positiver Repräsentanzen gearbeitet wird.

00:36:39: Diesem Punkt werden wir in der nächsten Folge weiter ausführen wenn wir uns die konkrete Behandlung anschauen.

00:36:47: Der Grund, weshalb ein empathisches Beziehungsangebot alleine oft nicht ausreicht liegt zum einen darin, dass viele Menschen mit Bindungstraumata sich nicht ohne Weiteres auf ein solches Angebot einlassen können.

00:37:01: Zum anderen wäre dieser Weg alleine häufig auch sehr langwierig – Nicht falsch verstehen!

00:37:09: Natürlich braucht es ein empatisches und haltendes Beziehungssangebot.

00:37:15: Es bedarf darüber hinaus jedoch auch der direkten Arbeit mit den inneren Repräsentanzen und den individuellen Ressourcen.

00:37:25: Aufgrund der beschriebenen Veränderung im Bereich der Repräzentanzen, der Ich-Funktion sowie der Bindungs- und Beziehungsfähigkeit sind bei der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung andere therapeutische Ansätze notwendig als bei der postraumatischem Belastungsstörung nach Traumatisierung im Erwachsenenalter.

00:37:46: Gerade aufgrund dieser Besonderheiten können psychodynamische Ansätze in der therapeutischen Arbeit von großer Bedeutung sein.

00:37:54: Behandlungstechniken zum Umgang mit Übertragung und Gegenübertragungen eignen sich besonders für die Arbeit an interpersonellen Problemen- und traumaspezifischen Bindungsstörungen.

00:38:06: Ebenso können Defizite der Mentalisierungsfähigkeit erfolgreich mit psychodynamischem Verfahren behandelt werden.

00:38:13: Ansätze der Ich-Psychologie helfen darüber hinaus bei der Arbeit mit den häufig beeinträchtigten Ich-Funktionen, insbesondere im Bereich der Emotionsregulation.

00:38:23: Beispiele für konkrete psychodynamische Verfahren in der Traumotherapie sind die bereits erwähnte mentalisierungsbasierte Therapie MBT, die wir in Folge XXIII besprochen haben oder die psychodynamisch imaginative Traumatherapie PITT auf die wir möglicherweise in einer separaten Folge noch genauer eingehen werden.

00:38:47: Das Konzept, das Völler, Lampe, Mattes, Schellung, Leichenring und Kruse vorstellen – und dass wir im zweiten Teil dieser Folge besprechen werden – versteht sich als eine störungspezifische Modifikation strukturbezogener Psychotherapie, die durch Ressourcen aktivierende und auf traumatische Erinnerungen abzielende Elemente ergänzt wird.

00:39:13: Das heißt konkret, statt auf unbewussten Konflikten liegt der Fokus hier entsprechend auf den strukturellen Fähigkeiten bzw.

00:39:22: Ich-Funktionen sowie auf der Verinnerlichung positiver Beziehungserfahrungen.

00:39:29: Dies geht mit einer deutlich aktiveren therapeutischen Haltung einher die über klassische Techniken wie Clarifikation, Konfrontation und Deutung hinausgeht und ein breites Spektrum an validierenden, beruhigenden, ermutigenen und erklärenden Intervention beinhaltet.

00:39:49: Ebenso wie konkretes Anleiten und Erläutern.

00:39:54: Damit wird direkt auf den häufigen Wunsch komplex traumatiseter Menschen eingegangen sich selbst besser zu verstehen und konkrete Unterstützung bei der Emotionsregulation sowie bei der Kontrolle des soziativer Mechanismens zu erhalten.

00:40:11: Immaginative Techniken und aktive Ressourcenarbeit werden eingesetzt, um nicht nur eine positive Beziehungserfahrung mit dem oder der Therapeuten zu verinnerlichen sondern auch mit sich selbst bzw.

00:40:24: den eigenen inneren Anteilen.

00:40:28: Wie wir bereits in Folge VI gehört haben und wie es sich in der Trauma-Arbeit bewährt hat gliedert sich die therapeutische Arbeit in drei Phasen Stabilisierung, Trauma Bearbeitungen und Reintegration.

00:40:43: Anders als in der klassischen Psychoanalyse, wo die Impliciten also unbewussten Beziehungsmuster sich in der Übertragungsbeziehung zeigen und dann durch neue positive Beziehungserfahrungen verändert werden, werden hier aktiv positive Muster des Beziehumswissens in der Gegenwart aufgebaut.

00:41:05: Auch in diesem Ansatz wird aber mit dem Unbewussten gearbeitet.

00:41:09: Deutungen werden jedoch deutlich sparsamer und behutsamer eingesetzt.

00:41:15: Und noch ein Unterschied.

00:41:16: Anders als psychische Inhalte, die aus dem Bewusstsein verdrängt wurden sind traumatisch gefärbte Inhalten häufig nie bewusst geworden.

00:41:26: So kann beispielsweise in der préverbalen Lebensphase erworbende implizite Überzeugung bestehen das es gefährlich ist sich auf Nähe einzulassen.

00:41:36: Gelingt es jedoch diese Überzeugungen innerhalb der therapeutischen Beziehung zu erkennen und den Worten zu fassen kann ihre Überführung ins Bewusstsein gelingen.

00:41:46: Dadurch entsteht die Möglichkeit, sie zu verändern.

00:41:50: Dem oder der Patientin werden Übungen zur Reflexion des therapeutischen Geschehens an ihr Hand gegeben, die die Sitzung miteinander verbinden.

00:41:59: Diese Übung, die eigenständig durchgeführt werden dienen als Übergangsobjekte zwischen den Stunden Also als symbolische Hilfen, um die Repräsentanz des oder der Therapeuten aufrechtzuhalten und gleichzeitig die eigene Kompetenz zu stärken.

00:42:18: Durch häufige Wiederholung und Reflexion werden neuronale Strukturen gefestigt.

00:42:24: Dabei wird ein Patient oder einer Patientin jedoch nicht mit den Übungen allein gelassen.

00:42:29: Stattdessen wird gemeinsam reflektiert wie hilfreich die jeweilige Übung war.

00:42:39: Schwierigkeiten ebenso wie Nutzen und Sinnhaftigkeit der Aufgaben werden gemeinsam besprochen.

00:42:46: Dies soll sowohl die therapeutische Beziehung als auch die Autonomie- und Eigenverantwortung der oder des Patienten stärken, aber so weit erst mal zu den unterschieden zur klassischen Psychoanalyse.

00:43:02: Wie diese Arbeit im Beteil ausschaut, gucken wir uns wie gesagt in der nächsten Folge an!

00:43:08: Für heute wollen wir es aber erstmal hierbei belassen.

00:43:12: Vielen Dank fürs Zuhören und toll, dass ihr es bis zum Ende dieser sehr komplexen Folge geschafft habt.

00:43:17: Im nächsten Teil wird das Ganze normal verständlicher wenn wir uns das was wir heute theoretisch besprochen haben an konkreten Beispielen angucken.

00:43:26: nochmal vielen dank fürs zuhören bewertet gerne den podcast dort wo ihr ihn hört und abonniert auch gerne in kostenlosen newsletter.

00:43:34: Dort könnt ihr auf dem laufenden bleiben bei allem was hoch erfreut angeht Und lasst mir gerne auf Instagram unter hoher Freude, Unterstrich Podcast euer Feedback und auch höhere Wünsche zukommen.

00:43:47: In diesem Sinne bis zum nächsten Mal!

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