Folge 48 - die Dissoziation und die dissoziative Identitätsstörung
Shownotes
Heute sprechen wir über die Dissoziation - ein Phänomen, welches hilfreich und ein Tor zu unseren inneren Schätzen sein kann, oder ein Schutz vor unerträglichen inneren sowie äußeren Bedrohungen. Dabei möchte ich erstmal klären, was wir mit Dissoziation eigentlich genau meinen und dann mit euch das dissoziative Spektrum ablaufen, angefangen bei unseren grundlegenden Fähigkeiten zur Dissoziation und Bewusstseinssteuerung, über alltägliche, milde und auch hilfreiche Formen der Dissoziation, hin zu der wohl deutlichsten Ausprägung in Form der dissoziativen Identitätsstörung. Hierbei möchte ich die klinische Betrachtung aus Sicht der Traumaarbeit machen, weil uns die Dissoziation hier sehr häufig begegnet. Auf diesem Weg werden wir auch hören, dass dissoziative Mechanismen sogar in den grundlegendsten Techniken der Psychoanalyse zu finden sind.
Verwandte Folgen:
Mehr zum Thema Traumata in den Folgen 6, 44, 45 & 47
Wenn Therapeuten in der Stunde einschlafen: Folge 27
Mehr zum wahren und falschen Selbst in Folge 15
Weiterführende Literatur zu dieser Folge:
Reddemann, L. (2021). Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (2.Aufl.). Stuttgart: Pfeiffer bei Klett-Cotta.
Van Der Hart, O. & Horst, R. (1989). The Dissociation Theory of Pierre Janet. Journal of Traumatic Stress [Online], Verfügar unter: https://www.researchgate.net/publication/226524345_The_dissociation_theory_of_Pierre_Janet [04.09.2026].
Wöller, W., Lampe, A., Schellong, J., Leichsenring, F., Kruse. J. & Mattheß, H. (2025). Psychodynamische Therapie der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung: Ein Manual zur Behandlung nach Kindheitstrauma (2. Nachdruck). Stuttgart: Schattauer.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Wir alle kennen dieses Gefühl.
00:00:04: Vielleicht sind wir gerade erschöpft, überfordert oder müde?
00:00:09: Vielleicht sitzen wir gerade auf einer Bank im Park oder sind in einem Gespräch mit jemand anderem und plötzlich ganz unmerklich schweifen wir ab!
00:00:21: Unsere Gedanken gehen mit einmal ganz von alleine irgendwo hin.
00:00:27: Wir kommen wieder zu uns und wissen nicht mehr was unser Gegenüber gerade gesagt hat oder wie viel Zeit eben vergangen ist.
00:00:35: Wir sind irgendwie aus dem Moment ausgestiegen, für dieses Phänomen gibt es einen Namen und wie wir heute hören werden, ist das nicht nur klinisch sondern auch für unsere psychische Struktur von großer Bedeutung.
00:00:53: Heute sprechen wir über ein Thema welches uns schon während unserer Beschäftigung mit dem Thema Borderline Persönlichkeitsorganisation und dem Thema Trauma begegnet ist und welches oft zu Herausforderungen im therapeutischen Arbeiten aber auch im Leben der Betroffenen führt.
00:01:11: Gleichzeitig in unterschiedlichen Ausprägung, aber durchaus häufig vorkommt und sogar eine grundlegende und alltäglich genutzte Fähigkeit von uns Menschen ist.
00:01:23: Heute geht es darum wie es ist wenn das Gefühl mit einem mal weg ist.
00:01:29: Der Kontakt zu sich demgegenüber oder sogar der Realität abreißt und sich in extremen Fällen ganze Persönlichkeitsanteile abspalten.
00:01:40: Heute geht es um die Dissoziation!
00:01:59: Und damit herzlich willkommen zur achtenvierzigsten Folge unseres psychodynamischen Podcastes, hoch erfreut euch wieder dabei zu haben.
00:02:08: heute zum Thema Die Dissoziation und die dissociative Identitätsstörung.
00:02:16: Dies ist das erste aus einer kleinen Reihe von Vertiefungsthemen zum Thema psychischer Traumata, nachdem wir uns zuletzt mit den komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen befasst haben.
00:02:28: Dabei möchte ich erst mal klären was wir mit Dissoziation eigentlich genau meinen und dann mit euch das dissociative Spektrum ablaufen angefangen bei unseren grundlegenden Fähigkeiten zur Dissoziation- und Bewusstseinsteuerung über alltägliche milde und auch hilfreche Form der Dissoziation hin zu der wohl deutlichsten Ausprägung in Form der dissoziativen Identitätsstörung.
00:02:55: Hierbei möchte ich die klinische Betrachtung aus Sicht der Traumaarbeit machen, weil uns die Dissoziation hier sehr häufig begegnet.
00:03:04: Auf diesem Weg werden wir auch hören dass dissociative Mechanismen sogar in den grundlegendsten Techniken der Psychoanalyse zu finden sind.
00:03:14: Aber was bedeutet nun eigentlich Dissoziation?
00:03:18: Psychodynamisch verstehen wir dissociative Phänomene als unspezifische Antwort, anders als zum Beispiel die spezifische Verdrängung – aber dazu gleich mehr – sowohl auf interpersonelle Konflikte wie auch auf reaktivierte Traumaerinnerungen.
00:03:38: Mit anderen Worten meint dies eine innere Schutzleistung, zum Beispiel ein Gefühl oder eine Erinnerung, abspaltet.
00:03:48: Also dafür sorgt das wir diesen unerträglichen Inhalt nicht mehr wahrnehmen.
00:03:56: Ironischerweise stellt die Dissoziation eine Schutzleistung dar, die eigentlich die Ich-Integrität bewahren soll.
00:04:05: Das tut sie quasi auch allerdings dadurch dass Teile des Ichs abgespalten werden um den verbleibenden Teil zu schützen.
00:04:14: Die Folge dieser Abwehr ist somit eine Desintegration wichtiger psychischer Funktionen im Bereich von Sinneswahrnehmung, motorischer Kontrolle Erinnerungen und des Identitätsbewusstseins.
00:04:30: Die erhebliche Einschränkung der Alltagsfunktion nach sich ziehen können.
00:04:35: Wir gehen gleich nochmal ein bisschen mehr ins Detail um das deutlich zu machen.
00:04:39: Zunächst möchte ich aber eine andere Frage besprechen die mir beim Schreiben dieses Skriptes aufgekommen ist Nämlich, was ist eigentlich der Unterschied zwischen Dissoziation und anderen Schutzmechanismen wie zum Beispiel der Verdrängung?
00:04:56: Oder ist Dissoziation das gleiche wie Verdrängung.
00:05:00: Beide Mechanismen passieren unbewusst – und automatisch!
00:05:05: Beide unterdrücken Inhalte die zB in Träumen wiederkehren können.
00:05:12: Der wichtigste Unterschied liegt darin, was voneinander getrennt wird und wie bewusst beziehungsweise zugänglich das Getrennte bleibt.
00:05:23: Beide Dissoziationen werden psychische Bereiche voneinander getrennt.
00:05:29: Wir erinnern uns, wir haben gerade von einer unspezifischen Antwort gesprochen.
00:05:34: Typischer Weise betrifft dies Erinnerung, Wahrnehmungen, das Identitätsgefühl generell Gefühle oder auch Körper erleben.
00:05:44: Das bedeutet aber nicht, dass bei einer betroffenen Person keine Verdrängung stattfinden kann.
00:05:50: Beide Prozesse können gleichzeitig vorkommen!
00:05:54: Bei der Verdrängung wird ein spezifischer Inhalt aus dem Bewusstsein ferngehalten – dies betrifft meist vor allem Wünsche, Gefühle, Vorstellungen oder aber auch Erinnerungen.
00:06:06: Bei der Dissoziation kann teilweise oder zeitweise überhaupt nicht auf die abgespaltenen Inhalte zugegriffen werden….
00:06:16: Im Vergleich dazu ist der Inhalt, der verdrängt wird zwar auch unbewusst aber er kann indirekt weiter wirken.
00:06:24: Hierzu mal ein Beispiel Stellen wir uns eine Person vor die als Kind wiederholt stark belastet wurde.
00:06:32: Bei Verdrängung könnte sich später keinerlei bewusste Erinnerungen an bestimmte Ereignisse haben während die damit verbundenen Konflikte oder Gefühle aber unbewust weiterwirken.
00:06:45: bei der Soziation könnte dagegen eine umfassendere Trennung entstehen.
00:06:51: Bestimmte Erinnerungen, Gefühle, Körperempfindung oder ein ganz bestimmter Selbstzustand sind miteinander verbunden aber vom alltäglichen selbst relativ getrennt.
00:07:03: In bestimmten Situation kann dieser Zustand wieder aktiviert werden.
00:07:08: Die Person erlebt an Beispielsweise starke Angst Oder fühlt sich plötzlich wie das frühere Kind ohne unmittelbar zu verstehen, warum eigentlich.
00:07:19: Ein Beispiel hierfür wäre eine sogenannte Trigger-Situation in der eine Person durch einen äußeren Reiz mit einem Mal wieder traumatischen Erinnerungen ausgesetzt ist die mit einem mal frei werden.
00:07:32: für diese Person fühlte sich damit einmal wieder so an als wäre die schlimme Vergangenheit wieder die Gegenwart und es könnte im Behandlungszimmer zum Beispiel auch ein Patient begegnen früh in der Kindheit erlebt hat, dass Aggression die Bindung an die wichtigen Bezugspersonen gefährdet.
00:07:54: Nun ist dieser Patient vielleicht aber irgendwie im Konflikt mit seinem Chef geraten.
00:08:00: Dieser Konflikten mit dem Chef, der ja auch eine Art Bezugsperson ist ruft diesen frühen Konflekt wieder wach.
00:08:06: weil diese Wut damals so bedrohlich war muss er sie verdrängen!
00:08:11: Er sagt dann im Gespräch Nein ich bin nicht sauer Aber irgendwie depressiv und ich weiß gar nicht warum.
00:08:18: Und vielleicht merkt man, der Patient ist ganz schön streng mit sich selbst als wenn er auf sie selbst wütend ist.
00:08:25: Das wäre ein typisches Beispiel für eine Verdrängung.
00:08:27: Die Wut ist noch da Sie wirkt weiter aber es darf nicht erlebt werden wo diese Wut eigentlich hingehört.
00:08:36: Dieser Zusammenhang dieser Erfahrung wurde verdrängt.
00:08:43: Der gleich Fall nur unter Aspekte des Soziationen könnte so aussehen dass diese Person beim Erzählen mit einem mal gar kein Gefühl mehr hat.
00:08:54: Sie fühlt einfach nichts mehr, der ganze Bereich des Gefühls ist wie aus oder Mit einem Mal hat die Person gar keine Erinnerung daran Oder vielleicht auch nicht mit einem Mal.
00:09:07: Vielleicht hat die Personen generell gar keine erinnerung mehr an die Zeit damals.
00:09:13: Es wird also nicht nur ein bestimmtes Gefühl oder eine Erinnerungen oder einen Zusammenhang abgespalten oder unterdrückt sondern ein gesamter Bereich.
00:09:24: Die gesamte Fähigkeit der Effektwahrnehmung ist betroffen oder die gesamte Erinnerung für diese Zeit ist betrofft.
00:09:32: und wie weg?
00:09:35: Und wo wir gerade beim Einordnen sind, was passiert mit dissoziierten Inhalten eigentlich?
00:09:41: und wie verhält sich Dissoziation zur Entwicklung?
00:09:46: Abgespaltene Inhalte und Anteile können sich nicht entwickeln wie häufig der Fall bei traumabedingten Inhalten in der traumatischen Situation gefangen, was großes Leid nach sich zieht.
00:10:02: Der Grund dafür ist dass diese Inhalte vom Bewusstsein also von dem Teil der den Wandel der Zeit wahrnimmt und die eigene Entwicklung wahrnimmt und eben wahrnimt das die schreckliche Situation von damals zwar wirklich schlimm war aber eben auch abgeschlossen ist abgetrennt sind.
00:10:22: Diese Inhalte sitzen quasi wie abgekapselt in einer Blase eingefroren in der Zeit, in der Psychofest.
00:10:31: Im Falle der dissoziativen Identitätsstörung zu der wir nachher noch kommen können sich Persönlichkeitsanteile dort aber durchaus auch für sich genommen entwickeln.
00:10:43: Sie sind also nicht so ganz eingeforen in derzeit sie bleiben aber dennoch vom Bewusstsein abgeteint.
00:10:51: Entwicklung und Lebendigkeit werden aber nicht nur den abgespaltenen Anteilen erschwert, sondern auch den bewussten bzw.
00:11:01: Erwachsenen – weil die Dissoziation vor allem wenn sie häufig oder sogar konstant passiert Energie braucht wie alles andere auch.
00:11:11: Sie ist eine innere Anstrengung durch die weniger Kraft für die Alltagsbewältigung bleibt.
00:11:19: Auf der anderen Seite kann sie diese Alltagsbewertigung aber auch dadurch aufrechterhalten, dass ansonsten unaushaltbare Inhalte aus diesem Fern gehalten werden.
00:11:30: Hierin liegt eben die Schutzfunktion, die die Dissoziation hat.
00:11:37: An dieser Stelle möchte ich einmal innehalten und auf einen Aspekt der Dissoziation zu sprechen kommen, der wie ich finde in gefühlt neunundneunzig Prozent der Unterhaltung wenn man über Dessoziations spricht keine Aufmerksamkeit bekommt oder keine Beachtung.
00:11:52: In den allermeisten Fällen sprechen wir, wenn es um Dissoziation geht über Schutzmechanismen und die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die sich durch dissoziative Mechanismen im Alltag oder in der therapeutischen Situation ergeben.
00:12:08: Aber wir sprechen nicht darüber, dass Dissoziation weitaus mehr ist als nur ein Schutz vor bedrohlichen Inhalten der innerin- oder äußeren Welt.
00:12:19: Sie ist nämlich auch eine grundlegende Fähigkeit, die wir am Alltag und sogar in der Psychoanalyse die ganze Zeit nutzen.
00:12:30: Freies Assoziieren oder Tagträume – und das mag jetzt eine Überraschung für den einen oder anderen sein – sind fundamentale Bestandteile der Psychioanalyse und vom Leben und leichte Ausprägungen von Dissoziationen.
00:12:47: Der Analysant liegt auf der Couch spricht etwas an und kommt dann von diesem Inhalt auf etwas anderes, was irgendwie vielleicht durch ein Gefühl oder ein bestimmtes Erleben mit dem ersten Inhalt verbunden ist.
00:13:05: Aber wie kommen wir darauf?
00:13:07: Und wieso haben wir den neuen Inhalt nicht direkt parat?
00:13:12: Deutlich wird dies auch an Assoziationstests bei denen ein Proband Bilder gezeigt bekommt und sagen soll, was ihm oder ihr dazu spontan
00:13:21: einfällt.".
00:13:23: Psychoanalytiker lieben sowas.
00:13:26: Da sind anscheinend unterschiedliche und irgendwie voneinander getrennte Inhalte in uns.
00:13:33: Freud fand dass Träume- und Assoziationen den Zugang zu diesen Inhalten die oft auch ins Unbewusste gerutscht sind wiederherstellen können Beziehungsweise die Verbindung zwischen diesen Inhalten und Anteilen zu unserem Bewusstsein wiederherstellen können.
00:13:52: Das Thema Dissoziation hat übrigens eine lange Geschichte innerhalb der Psychanalyse, wobei sich die Auffassungen im Laufe der Zeit stark verändert haben.
00:14:02: Der französische Psychologe Pierre Jané entwickelte Ende des neunzehnten Jahrhunderts – Die Idee der Dissoziation als Trennung psychischer Prozesse in Folge Überwältigender Erfahrung.
00:14:18: Seine Arbeiten beeinflussten spätere Theorien erheblich, so auch die Arbeiten von Freud.
00:14:25: Dessen Arbeiten zu abgespaltenen psychischen Inhalten später allerdings eher in Richtung Verdrängung ging.
00:14:32: Freud untersuchte zusammen mit Josef Breuer die Hysterie und veränderte Bewusstseinszustände.
00:14:40: Sandoval Ferenchi betonte wiederum die Bedeutung früher Beziehungstraumata und beschrieb Prozesse, bei denen sich das selbst unter überwältigenden Bedingungen aufspalten kann.
00:14:54: Donald Winnicott entwickelte die Konzepte vom echten und vom falschen Selbst – welche sich abhängig von unseren frühen Beziehungserfahrung entwickeln und uns in der Folge zum Thema Narcismus schon begegnet sind.
00:15:10: Philipp Bromberg ist ein besonders wichtiger moderner psychoanalytischer Autor.
00:15:16: Er versteht die Persönlichkeit als aus mehreren Selbstzuständen bestehend, die normalerweise miteinander verbunden sind.
00:15:25: Unter traumatischen Bedingungen können diese stärker voneinander getrennt bleiben.
00:15:31: Diese Liste ließe sich noch weiterführen.
00:15:34: Ich möchte aber auch auf einen Psychoanalytiker zu sprechen kommen, dessne Schule das Konzept der Dissoziation als ein ihrer Kerne beinhaltet.
00:15:42: Carl Gustav Jung baute auf den Arbeiten von Pierre Janais auf und beschrieb die essentielle Fähigkeit der Psyche zur Dissoziation.
00:15:55: Statt Janais klinischem Interesse an der Frage, was passiert wenn Menschen dem Bewusstseinszustand wechseln?
00:16:01: Und warum sich Menschen nicht daran erinnern sei Jung nicht so sehr ein Problem für die Psychiatrie welches es zu lösen gilt sondern er interessierte sich für die Funktion der Dissoziation im psychischen System der Person.
00:16:18: Jané fand in seinen Forschung, dass Bewusstsein eine unter anderem auch muskuläre Energie benötigt.
00:16:27: Mit anderen Worten es braucht einen gewissen Aufwand unsere bewusste Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten weshalb es uns auch schwer fällt uns zu konzentrieren wenn wir müde sind.
00:16:41: Wir alle kennen sicher diese Momente der Erschöpfung und Müdigkeit in denen wir wegtriften und ins Leere starren.
00:16:49: Vielleicht lesen wir gerade ein Buch, und bemerken mit einem Mal das wir nicht mehr wissen was wir gerade gelesen haben!
00:16:57: Wir konzentrieren uns wieder indem wir innerlich eine Anstrengung aufbringen und lesen die Seite nochmal.
00:17:05: Diese Fähigkeit zur bewussten Aufmerksamkeit brauchen wir laut Jané um unsere Erfahrung zu integrieren und planmäßig zu handeln sowie um uns eine cohrente persönliche Synthese zu erhalten.
00:17:21: Das bedeutet, dass wir unsere eigenen Erfahrungen, Werte, Stärken und Ziele zu einem klaren in sich stimmigen Gesamtbild zusammenfügen können!
00:17:35: Wie wir gleich hören werden geht genau diese Fähigkeit bei der Dissoziation verloren oder wird aufgegeben.
00:17:44: Unsere Kapazität, diese Fähigkeit zu steuern entwickelt sich vor allem im Laufe unserer Kindheit.
00:17:50: Deshalb wir hier auch besonders anfällig für Einflüsse sind.
00:17:55: Beide Dissoziation passiert etwas was sich dem Bewusstsein entzieht und unseren Bewusstseinszustand sogar verändern kann.
00:18:06: Nun sind wir in der Psychoanalyse ja durchaus daran gewöhnt die unbewussten Prozesse wieder dem Bewustsein zugänglich zu machen oder zumindest zu versuchen, sei es zum Beispiel durch das Besprechen, Aufschreiben und Durcharbeiten von Träumen.
00:18:23: Das Freie Assoziieren, das Deuten oder das Wahrnehmen und Benennen von Veränderungen in der therapeutischen Beziehung bzw.
00:18:32: Entwicklung im Leben unseres Gegenübers.
00:18:35: Und wir wissen wie es ist wenn das Bewusstsein nicht mehr am Steuer sitzt und unbewusste Impulse und Anteile die Kontrolle übernehmen.
00:18:45: Die Psychose wäre hier das wohl extremste Beispiel für solch ein Zustand.
00:18:50: Und vergessen wir auch nicht, dass wir täglich – nämlich wenn wir schlafen – unser Bewusstsein auch verlieren!
00:18:59: Wenn ihr etwas aus der heutigen Folge mitnimmt dann hoffentlich das folgende... Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Bewusstseinszuständen und inneren Inhalten ist etwas völlig Natürliches für uns.
00:19:15: So funktioniert unsere Fantasie überhaupt erst.
00:19:19: Und somit ist unsere Fähigkeit zur Dissoziation, damit sind wir wieder bei Jung etwas was wir alle in uns haben brauchen und auch andauend nutzen.
00:19:31: Sie isst also keine Pathologie Auch wenn sie definitiv als solche ausgeprägt sein kann und sie ist auch mehr als nur ein Schutzmechanismus.
00:19:43: Der Wechsel zwischen bewusstem und unbewusstem Beziehungsweise zwischen verschiedenen Bewusstseinszuständen kann bewusst herbeigeführt werden und lust-und genussvoll sein.
00:19:58: Zum Beispiel, wenn wir uns zum Schlafen hinlegen oder in ein Buch oder einen Film eintauchen.
00:20:05: Manche Menschen suchen diese veränderten Bewusstseinzustände durch den Konsum von Drogen.
00:20:10: Manchmal haben wir intrusive und spontane Ideen und Gedanken die wir als Inspiration erleben wie ein Autor, dem plötzlich eine Geschichte einfällt.
00:20:22: Mir geht es zum Beispiel manchmal so dass ich mitten in der Nacht mit einer Idee für eine neue Folge oder einen neuen Beitrag wach werde.
00:20:31: Tatsächlich fällt mir jetzt auf das vor allem die satirischen Reels auf Instagram spannenderweise häufiger so entstanden sind.
00:20:41: Überleg doch mal selbst!
00:20:43: Bestimmt fallen euch auch derartige Erlebnisse aus eurem Leben ein?
00:20:49: Das beinhaltet nun aber noch einen weiteren Aspekt, auf den ich hier zu sprechen kommen möchte.
00:20:55: Was ist nun wenn diese Wechsel im Bewusstsein weder wildlicher beigeführt, noch angenehm sind?
00:21:03: Dieses Meisterfall?
00:21:04: werden wir von Dissoziation vor dem Hintergrund traumatischer Erfahrungen sprechen.
00:21:10: Solch eine Übernahme des Unbewussten kann nachteilig, beängstigend oder sogar hochgradig gefährlich sein!
00:21:19: Denken wir nochmal an die Psychose, die ja auch zum Beispiel durch Drogen selbst beigeführt werden kann.
00:21:26: Also ein Beispiel dafür wäre wie es ist wenn wir die Tür zum unbewussten öffnen aber nicht mehr schließen können.
00:21:35: Als kleinen Exkurs könnten wir uns noch mal an das Märchen von Aschenputtl erinnern mit dem wir uns in Folge thirty-six im Zusammenhang mit Borderline befasst haben.
00:21:46: Ein Aspekt, den wir damals nicht betrachtet haben ist das Aschenputtel.
00:21:51: Wenn sie die Kleider anlegt, die die verstorbene Mutter ihr zukommen lässt und als hübsche Frau davon schleicht um tanzen zu gehen und dem Prinzen in Kopf zu verdrehen In einen anderen Zustand ihres Seins wechseln Nur um im Anschluss wieder zurück Zu ihrer Ausgangspersönlichkeit zurückzukehren Die bei der missbräuchlichen Familie im Schmutz lebt.
00:22:17: Der Prinz erfüllt hier die verbindende Funktion.
00:22:21: Er schafft es letztlich, ihr zu folgen und die Verbindung zwischen beiden Persönlichkeiten herzustellen.
00:22:29: Das ist die Funktion, die auch der Therapeut erfüllen muss – egal ob es um Träume oder Dissoziation geht!
00:22:39: Und damit sind wir wieder zurück in der klinischen Praxis.
00:22:44: Als Therapeut bzw.
00:22:45: als Psychoanalytiker versuche ich das stets zum einen bei mir selbst, um zu merken was in mir als Reaktion auf mein Gegenüber und unsere Situation hervorkommt.
00:22:57: Und wie wir unbewusst miteinander kommunizieren.
00:23:00: aber ich versuche es auch für meinen Gegenüber wenn ich dabei helfe dass erleben und verhalten meines Gegenübers mit dessen unbewussten Motiven zu verbinden bzw herauszufinden wie sich das innere im außen bemerkbar macht.
00:23:18: Dissoziative Phänomene können klinisch betrachtet als Teil von unterschiedlichen psychischen Störungen, wie der posttraumatischen und vor allem der komplex-postraumatische Belastungsstörung auftreten aber auch eine ganz eigene Diagnose begründen.
00:23:34: Nicht selten begegnet uns in der Praxis einer Art Wegdriften – in der Aufmerksamkeit oder der emotionalen Beteiligung – von dem was gerade gesagt wurde!
00:23:47: sprechen wir über schwere, aushaltbare Gefühle oder kommen beim Sprechen mit Inhalten in Kontakt die bedrohlich sind und oder mit hoher Anspannung einhergehen?
00:23:58: kann es sein dass wir als Therapeuten plötzlich erleben das unser Gegenüber etwas Bedeutsames erzählt ohne emotional beteiligt zu wirken.
00:24:10: Manchmal merken wir vielleicht auch selbst dass wir nach einem kurzen Moment wieder zu uns kommen dass wir unserem Gegenüber gar nicht mehr zugehört haben, ausgestiegen sind und nicht mehr wissen was er oder sie gerade gesagt hat.
00:24:25: Diese Momente sind wichtig denn Sie zeigen uns das wir gerade von unserem Gegenber und dessen Erzählung abgetrennt wurden.
00:24:32: Wir sind dissoziiert!
00:24:35: Das passiert nicht selten als unbewusste Antwort darauf, dass unser Gegenüber selbst gerade weggedriftet ist.
00:24:43: Unsere Dissoziation ist also eine gespiegelte Antwort auf die Dissoziation des anderen und lässt uns dieser auf die Spur kommen.
00:24:53: Ähnlich kann es auch sein, wenn wir plötzlich müde werden oder uns langweilen!
00:24:58: Und natürlich ist das auch denkbar dass wir selbst dissoziieren, auch wenn das gegenüber das vielleicht nicht tut weil wir jetzt Therapeuten vielleicht selber gerade mit irgendeinem Inhalt in Kontakt kommen – vielleicht eigenen traumatischen Erfahrungen auf den wir nicht vorbereitet waren.
00:25:17: Mehr dazu, wie es ist wenn Therapeuten aussteigen oder sogar einschlafen in der Folge zur Müdigkeitsreaktion Ein Wecktriften ist per se auch nicht problematisch.
00:25:30: Es kann genutzt werden um die Verbindung herzustellen zwischen dem was gerade gesagt wurde und der dissociativen Schutzreaktionen.
00:25:38: Was haben wir gerade angesprochen?
00:25:40: Was das ausgelöst haben könnte?
00:25:42: Oder Wollen wir noch mal versuchen, dem Gefühl nachzugehen welches sie gerade erlebt haben?
00:25:50: Stärkere dissoziative Reaktionen können so aussehen dass ein Patient den Kontakt zum eigenen Körpergefühl der zeitlichen und oder räumlichen Orientierung bestimmten Erinnerungen oder der eigenen Persönlichkeit verliert.
00:26:07: In Fällen von eintretender Derealisation oder auch Depersonalisation sollte direkt eingegreffen werden da diese Zustände ein weiterarbeiten als schweren, nicht selten als bedrohlich und beängstigend erlebt werden.
00:26:23: Eben auch hier ein Zeichen sind das gerade etwas Wichtiges passiert ist und tatsächlich auch gefährliche Konsequenzen haben können wenn zum Beispiel jemand nach der Stunde am Straßenverkehr teilnimmt und dabei gar nicht wirklich bei sich ist.
00:26:38: Körperlich sind auch Einschränkungen im Bereich der Bewegung oder der Sinnesorgane, oder psychogene Anfälle möglichen Phänomene.
00:26:50: Häufig beschreibt der Betroffene dabei ein Gefühl von Nebel- oder Watte im Kopf.
00:26:57: Hier helfen sogenannte Anker.
00:26:59: Das können äußere Hilfsmittel wie ein stark riechendes Salz oder Geruchstäbchen sein Ein Igelball, ein Eisbeutel Der Bissen eine Zitrone oder Chilischote oder eine Berührung.
00:27:13: Im therapeutischen Raum hatte sich zum Beispiel bewährt den Patienten, nach vorheriger Frage um Erlaubnis natürlich an der Hand oder am Arm zu berühren.
00:27:24: Aber auch die direkte Ansprache und damit verbundene Fragen nach der Uhrzeit, dem Ort und der Stadt haben sich bewährt.
00:27:33: Auch den Stuhl- oder Sesseln, in denen man sitzt bewusst wahrzunehmen und sich vor Augen zu führen wo man gerade ist kann den Kontakt zur Sicht und der Gegenwart wiederherstellen.
00:27:43: Die klare Trennung von Vergangenheit und Gegenwart, die grundsätzlich im Umgang mit dramatischen Inhalten von Bedeutung ist sollte eben auch grundsätzlich geübt werden um stärkeren Dissoziationen entgegenzuwirken.
00:27:59: Hierbei kann es hilfreich sein immer wieder bewusst das aktuelle Datum und den derzeitigen Ort an dem man sich befindet zu benennen.
00:28:08: Dabei sollen auftretende schwierige Situation daraufhin untersucht werden ob ihn frühere Erfahrungen zugrunde liegen könnten, die sich um hier und jetzt zeigen.
00:28:20: Anschließend soll wieder sehr bewusst zwischen dem früheren inneren Kindanteil getrennt werden welcher damals nicht ausreichend versorgt wurde und der gegenwärtigen Situation in der es aber anders ist als damals und in der der Früheranteil Versorgung erfahren darf.
00:28:40: Zu Beginn sollte die Therapeutin immer erstmal die Dissoziation benennen und ansprechen, was ihr auffällt um mit dem Gegenüber – falls das möglich ist – gemeinsam zu klären, was hier gerade passiert.
00:28:52: Und dass es gegebenenfalls erst mal darum gehen muss der Patientin zu helfen wieder zu sich kommen indem sie ihre Effektwahrnehmung und Orientierung schärft Das was wir vorhin als die bewusste Aufmerksamkeit beschrieben haben.
00:29:09: Wenn ihr noch mal mehr dazu hören wollt, wie zwischen Vergangenheit und Gegenwart im therapeutischen getrennt wird, lege ich euch nochmal unsere drei Folgen zum Thema der komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen ans Herz.
00:29:22: Wann immer möglich sollte versucht werden zu verstehen, wie es zu der Dissoziation kam?
00:29:28: Es kann sein dass die Patientin mit Trauma bezogen in Erinnerung oder Effekten in Kontakt kam oder das sie sich um eine anders nicht kommunizierbare Botschaft an die Therapeuten handelt dass eine Belastungsgrenze erreicht wurde, die es zu respektieren gilt.
00:29:45: Es ist übrigens auch denkbar das die Dissoziation nicht unbedingt mit einem Stopp beendet wird sondern das versucht wird in dem Moment zu verstehen welche Anteile sich gerade zeigen ob diese im hier und jetzt sicher sind bzw sich sicher fühlen und was sie brauchen.
00:30:05: Die Entscheidung für eine vorgensweise ist natürlich individuell, im jeweiligen Moment zu treffen und abhängig von der Situation.
00:30:14: So oder so ist es übrigens auch wichtig dass sich ein Patient bewusst dafür entscheidet die Dissoziation auch unterbrechen zu wollen und diese nicht einfach zum Beispiel aus Gewohnheit hinzunehmen.
00:30:28: Die Therapeutin könnte sowas sagen wie ich spüre gerade das sie nicht mehr ganz bei der Sache sein können.
00:30:35: Ich sehe das an ihrem starren Blick, als könnten sie mir nicht mehr folgen.
00:30:40: Versuchen Sie bitte wieder zurück in den Kontakt mit mir zu kommen!
00:30:45: Vielleicht ist es dabei auch hilfreich, mit Ihren Händen einmal über die Stuhlähne zu streichen und festzustellen wo das Holz im Metall übergeht?
00:30:55: Wenn es ganz schwierig wird können Sie auch aufstehen.
00:31:01: Es geht wie wir vorhin schon gehört haben darum die Dissoziation zu beenden indem die Fäden wieder verbunden werden.
00:31:11: Bevor wir mit der dissoziativen Identitätsstörung kurz D-I-S Wort fahren, möchte ich noch kurz eine besondere Form der Dissoziation vorstellen, die ich auf dem Spektrum noch vor dieser Einordnung würde – die sogenannte dissoziative fugue.
00:31:28: Das Wort fugue leitet sich vom lateinischen Wort für Flucht ab.
00:31:33: Eine dissociative fugue ist ein seltener psychischer Ausnahmezustand, bei dem eine Person plötzlich und unerwartet ihre gewohnte Umgebung verlässt quasi flieht verbunden mit der Unfähigkeit sich an ihrer Vergangenheit zu erinnern sowie Unsicherheit und Verwirrung bezüglich der eigenen Identität oder sogar der Annahme einer anderen Identität.
00:32:01: Später kommt sie dann einem gänzlich andren Ort wieder zu sich kehrt also wieder in die Kernpersönlichkeit zurück und hat keine Erinnerung daran, wie sie an den neuen Ort gekommen ist.
00:32:15: Menschen mit dissoziativer Fogü sehen sich meistens mit extremen unangenehmen Situationen konfrontiert aus denen Sie keinen Ausweg finden können.
00:32:26: Das Stresslevel steigt dabei auf ein so intolerables Ausmaß an dass Erinnerungen an die stressbehaftete Situation unterdrückt werden.
00:32:36: Es kommt zur Abspaltung und im wahrsten Sinne des Wortes zur Flucht aus der Situation.
00:32:41: Die Fluchtsustände dauern in der Regel wenige Stunden bis Tage an, und klingen spontan wieder ab – gehen aber danach verständlicherweise mit einem Gefühl großer Ängstigkeit einher!
00:32:57: Die dissociative Identitätsstörung stellt die stärkste und tiefgreifendste Ausprägung des dissociativen Spektrums dar und ist literarisch beziehungsweise kulturell durch den Roman von Robert Louis Stevenson, der seltsamen Fall des Dr.
00:33:15: Jackle und Mr.
00:33:15: Hyde von eighteenhundertsechsundachtzig zu einer gewissen Bekanntheit gekommen – irgendwie auch zu einem Mythos geworden!
00:33:25: Der Roman beschreibt wie der «mörderische Mister Hyde» und der gutmütige Dr.
00:33:31: Yackel ein- und derselbe Mensch sind zwei bipolare Persönlichkeiten in einem Körper Die Gut und Böse vertreten.
00:33:41: In der Realität zeigt sich die dissociative Identitätsstörung jedoch anders, und tatsächlich ist sie ein Phänomen welches die Psychanalyse seit ihren Anfängen beschäftigt.
00:33:54: Bei einer dissociativen Identitätersstörung, die früher unter dem Begriff der multiplen Persönlichkeitsstörung bekannt war übernehmen verschiedene Persönlichkeit Anteile abwechselnd die Kontrolle über das Denken fühlen und handeln eines Menschen.
00:34:12: Diese Anteile sind voneinander abgespalten, verfügen über eigene Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Wahrnehmungs- und Denkmuster.
00:34:24: Es können Erinnerungslücken entstehen wenn ein anderer Persönlichkeitsanteil quasi Persönlichkeit eins übernimmt.
00:34:32: Schätzungen gehen davon aus, dass die DES bei Nullkommar Fünf bis ein Prozent der Gesamtbevölkerung vorkommt und fünf Prozent der stationären psychiatrischen Patienten betrifft.
00:34:45: Dabei sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer.
00:34:49: Obwohl die Symptomatik damit also nicht selten ist wird doch nur selten drüber gesprochen und sie wird auch noch selten diagnostiziert.
00:35:00: Und auch für die Betroffenen kann es schwer sein zu erkennen dass sich in ihrer Persönlichkeit etwas verändert.
00:35:08: Unerklärliche Lücken in der Erinnerung oder Verhaltensweisen führen häufig zu Verwirrungen und eher zum Rückzug, so kann sich ein Betroffener erinnern morgens aus dem Haus gegangen sein und dann im nächsten Moment abends im Bett zu liegen.
00:35:26: Er kann auf Verabredungen und Taten angesprochen werden an die er sich nicht erinnernt kann oder Notizen von sich finden, die aber nicht in seiner Handschrift verfasst wurden.
00:35:39: Der Kern unserer Persönlichkeit, welchen wir normalerweise als kontinuierlich und konstanter leben, ist
00:35:45: aufgespalten.".
00:35:47: Das was wir vorhin für einzelne Anteile Unterinnerung beschrieben haben betrifft hier das gesamte Ich – dass ich is tiefgreifend desintegriert und den abgespaltene eigene Identitäten unterteilt!
00:36:04: Diese Identitäten sind meist allerdings nicht so offensichtlich erkennbar.
00:36:10: Ein Wechsel zwischen ihnen kann zwar deutlich sein, aber oft auch subtil – so subtil dass nur Angehörige ihn bemerken die die Person besonders gut kennen.
00:36:22: Ein subtiles Beispiel wäre wenn während eines Gesprächs die Person plötzlich etwas jünger und zurückhaltender wirkt, leiser spricht und andere Formulierung verwendet.
00:36:33: Kurz danach ist wieder die vertraute Art zu sprechen da, ohne dass der Wechsel für Außestehende eindeutig erkennbar war.
00:36:41: In einem deutlicheren Szenario unterbricht die Person ein Gespräch, wirkt für einige Sekunden deutlich verändert und nimmt anschließend eine andere Körperhaltung und Sprechweise ein.
00:36:52: Danach sagt sie beispielsweise Warum bin ich jetzt hier?
00:36:56: Ich weiß nicht mehr worüber wir gesprochen haben!
00:37:00: Zum therapeutischen Umgang mit diesem Phänomen in der Stunde hatte sich bewährt frühzeitig das Konzept des runden Tisches einzuführen, welches ohnehin in meiner Erfahrung für die therapeutische Arbeit hilfreich ist und übrigens auch unter anderem wieder auf Jung zurückzuführen ist.
00:37:18: Es geht hierbei um die Vorstellung dass wir eben nicht einfach nur eine psychische Einheit sind – auch wenn wir uns gerne so empfinden würden sondern aus unterschiedlichen inneren Anteilen bestehen, die wir an einem runden Tisch zusammensitzen und unsere Persönlichkeit ausmachen.
00:37:38: Je mehr wir diese kennenlernen und den Kontakt zu ihnen finden desto besser.
00:37:43: Dabei wird es nie möglich sein erschöpfend alle Anteile bzw das gesamte Unbewusste kennenzulernen aber eben ein Kontakt dazu herzustellen.
00:37:55: Im Fall der dissoziativen Identitätsstörung kann es ebenso hilfreich sein, die verschiedenen Persönlichkeiten möglichst gut kennenzulernen und diesen auch den Raum zu geben.
00:38:07: Alle Persönlichkeitseinteile werden einen sicheren Raum benötigen – und idealerweise können die erwachsenen Anteiler lernen, sich um die kindlichen Anteile zu kümmern!
00:38:18: Ihr merkt schon das Vorgehen hier ist im Kern sehr ähnlich wie die sonstige Arbeit mit innen Anteilen.
00:38:27: Dennoch erfordert die Arbeit mit den IS-Patienten viel Erfahrung und sollte auch nur von entsprechend geschulten Therapeuten durchgeführt werden.
00:38:37: Alle Anteile dienen dem Überleben des Systems – und sollten auch so gewürdigt werden!
00:38:43: Traumakonfrontation sollte auch hier erst dann, wenn überhaupt passieren, wenn kein Täterkontakt mehr vorhanden ist….
00:38:52: Auf gar keinen Fall sollte gegen den Willen des Patienten versucht werden, die einzelnen Anteile zu einem State zusammenzuführen.
00:39:00: Das wäre Gewalt!
00:39:03: Ein erlebtes Trauma wird durch psychische Spaltungsmechernismen vom Bewusstsein der Person abgetrennt.
00:39:11: So bleibt die Person im Alltag handlungsfähig.
00:39:15: Kontakt mit den traumatischen Inhalten durch zum Beispiel Trigger oder Flashbacks.
00:39:21: Hierzu sei auf die Folgen, wie bereits besprochen, traumatische Erinnerungen und trauma-assoziierten Stress hervorbringen.
00:39:37: Aber auch abgespaltene Persönlichkeitsanteile.
00:39:40: So kann eine Person in einem solch Moment wieder zu dem kleinen schutzlosen Kind von damals werden!
00:39:48: So kann eine Person die traumatisierende Gewalt erlebt hat, in Momenten wagen und bedrohen, in einen kämpferischen oder in bestimmten Aspekten sehr kompetenten Persönlichkeitsanteil wechseln.
00:40:04: Solch ein Wechsel kann aber auch den Alltagsstress betreffen.
00:40:08: Auslöser für den Wechsel können nämlich zum Beispiel sowohl der Stress des morgendlichen Arbeitsweges sein – ein handlungsfähiger Anteil kommt zum Vorschein – aber auch das Heim kommen in das sichere Zuhause!
00:40:21: Hier wird wieder die Persönlichkeit eins aktiviert.
00:40:25: Das sind verschiedene Situationen, unterschiedliche Persönlichkeitsanteile und Zustände in den Vordergrund rücken ist zunächst mal ein ganz normaler und wichtiger psychischer Mechanismus.
00:40:37: Im beruflichen Alltag sind wir in einer anderen Rolle Und erleben uns meist auch anders als zu Hause oder im Kontakt mit den eigenen Eltern.
00:40:48: Dennoch erleben wir uns stets in unseren Facetten als eine zusammengehörige Persönlichkeit.
00:40:55: Genau dies ist bei der dissoziativen Identitätsstörung nicht der Fall!
00:41:01: Hier sind die Persönlichkeitsanteile voneinander getrennt, auch wenn das der betroffenen Person in manchen Fällen gar nicht bewusst ist.
00:41:09: Das muss aber nur nicht heißen dass die einzelnen Persönlichen nicht doch verbunden sein können.
00:41:16: Oft kann der Wechsel der Persönlichkeitsanteile für eine Person unmerklich bleiben, weil doch eine gewisse Verbindung durch die sich der Wechsel unmerklich vollzieht besteht.
00:41:28: Dies kann auch so aussehen dass es eine Kernpersönlichkeit gibt – quasi die zentrale Hauptpersönigkeit, Identitätssysteme mit unterschiedlichen Persönlichkeiten möglich, die verschieden alt sein können – manche altern auch nicht mit – unterschiedliche Geschlechter und Eigenschaften haben.
00:41:59: Von frühen Traumata wissen oder es nicht tun?
00:42:04: Wie entsteht nun eine dissociative Identitätersstörung?
00:42:09: Hier gehen wir nochmal an den Anfang zurück und erinnern uns dass wir dissociative Mechanismen klinisch hauptsächlich als Schutzmechanismus verstehen.
00:42:18: Das Kind kann belastende Erlebnisse, Gefühle, Erinnerungen und Wahrnehmung teilweise voneinander trennen bzw.
00:42:28: abspalten um sich so vor diesen unerträglichen Inhalten zu schützen oder sich die überlebenswichtige Bindung an die wichtigen Bezugspersonen zu bewahren.
00:42:40: Bei sehr lang andauenden Belastungen können sich daraus ausgeprägte und dauerhafte Identitäts- und Erinnerungstrennungen entwickeln.
00:42:50: Das heißt, wir kommen wenig überraschend erneut auf traumatische Erlebnisse als Ursache für die besagte tiefgreifende Störung der normalerweise zusammenhängenden Wahrnehmung von Identität, Erinnerung, Emotion und Selbst zurück.
00:43:07: Genauer geht es um schwere meist in den ersten Lebensjahrenbeginn und wiederholte auch ritualisierte Traumatisierung – sogenannte Entwicklungstraumataar!
00:43:19: Wichtig ist dabei, nicht jede Person mit traumatischen Erfahrungen entwickelt eine DIS sowie auch nicht jede Personen mit traumatischem Erfahrung einer Borderline-Störung entwickelt.
00:43:32: Die Entstehung ist wahrscheinlich durch mehrere Faktoren bedingt.
00:43:37: Zu den traumatischen Erfahrungen kann das Fehlen von sicheren Bezugspersonen zählen.
00:43:42: Wenn ein Kind Belastung nicht mit einer verlässlichen erwachsenen Person bewältigen kann kann der Soziation eine Möglichkeit sein, mit dem Erlebten umzugehen.
00:43:54: Ein weiterer Punkt ist das die Persönlichkeit sich in der Kindheit noch in der Entwicklung befindet.
00:44:00: Deshalb wird angenommen dass frühe Traumatisierung die Integration verschiedener Selbstzustände stärker beeinflussen kann als vergleichbare Erfahrung im erwachsenen Alter.
00:44:12: Letztlich können auch individuelle Vulnerabilitäten bzw.
00:44:16: Faktoren wie das Temperament, die Fähigkeit zur Fantasie Bindungserfahrung und andere psychologische bzw.
00:44:24: biologische Faktoren möglicherweise beeinflussen, wie stark jemand zur Dissoziation neigt.
00:44:32: Erinnern wir uns an die psychoanalytische Sichtweise dass die sogenannten Persönlichkeitsstörungen – aber auch die DES letztlich eher Persönlichkeitorganisationen sind.
00:44:45: Als Anpassung auf eine frühe traumatische Situation in der die kindliche Persönlichkeit versucht zu überleben und sich zusammenzuhalten.
00:44:56: Die Abspaltung dient dem Überleben, ist aber manchmal auch bewusst oder unbewusst von den Bezugspersonen gewollt.
00:45:05: So können Eltern – oder aber auch Personen Insekten- oder kriminellen Organisationen das Kind in unterschiedlichen Situationen gänzlich anders behandeln, so als sei das Kind jeweils ein anderes!
00:45:19: Ein Kind kann in einem Moment geliebt und im nächsten angegriffen werden.
00:45:24: Eine solche Spaltung kann verhindert oder wieder einigermaßen zusammengeführt werden, wenn es eine Bezugsperson wie zum Beispiel einer Zier- oder einen Freund gibt der die Abspaltung auffällt und diese benennt und die Fäden quasi wieder verbindet.
00:45:42: Da die Abspeitung das innere Überleben sichert macht es Sinn dass an dieser ganz instinktiv Unvehement festgehalten wird beziehungsweise diese nicht einfach aufgegeben werden kann, da sie in die Struktur des Ichs eingebettet ist.
00:45:57: Und genau hier setzt die Aufgabe der Psychotherapie an wie gesagt mit dem Ziel diese Fäden wieder zu verbinden – so gut es eben geht!
00:46:08: Und damit schließt sich der Kreis für heute und wir kommen ans Ende der heutigen Folge.
00:46:15: Vielen Dank fürs Zuhören, ich hoffe das hat Spaß gemacht und dass ihr die Folge interessant fandert.
00:46:20: Ich finde es schön, dass wir uns jetzt ein bisschen mehr Zeit nehmen die einzelnen Aspekte, die uns beim Thema Traumota begegnen noch einmal zu vertiefen und hoffe das ich euch heute zeigen konnte.
00:46:30: Dass Dissoziation eben wie gesagt nicht nur ein Schutzmechanismus ist und auch nicht nur etwas Pathologisches haben kann sondern grundlegend eine menschliche Fähigkeit ist, die ganz viel von dem was wir tun zur Grunde liegt Und das ist auch eine Fähigkeit, die auf einem Spektrum passiert.
00:46:50: Also sowohl milde wie aber auch kann schon extremer Ausprägung haben können.
00:46:56: Lasst mir gerne wie immer euer Feedback da unter hocherfreud unterstrich.
00:46:59: Podcast auf Instagram folgt mir da auch gerne und abonniert gern unseren Newsletter zu allen Inhalten und allem was so hoch erfreut angeht und bewertet die Folge auch gerne dort wo ihr sie hört.
00:47:11: all das hilft dem podcast beim wachsen.
00:47:15: Und wie ich schon in der letzten Newsletter-Ausgabe angesprochen habe, möchte ich versuchen so ein bisschen mehr die Folgen zu quasi kleinen Bibliotheken zusammenzufassen.
00:47:25: Entsprechend werdet ihr in den Shownutz zu dieser Folge auch nochmal alle Folgen oder hoffentlich alle Folge finden, die mit dieser Folge und diesem Thema Zusammenhängen.
00:47:36: So ein bisschen quasi wie eine Playlist zum Thema Traumata!
00:47:42: In diesem Sinne vielen Dank fürs Zuhören Bis zum nächsten Mal.
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