Folge 49 - Ego-State-Therapie bei der kPTBS
Shownotes
In dieser Folge vertiefen wir die Arbeit mit komplex traumatisierten Menschen, indem wir uns anschauen, welche Rolle die Arbeit mit inneren Anteilen im Umgang mit negativen Selbstrepräsentanzen und abgespaltenen Persönlichkeitsanteilen spielt. Wir werden höhren, wie es gelingen kann, diese kennenzulernen, wir sie symbolisch versorgt werden und welche Voraussetzungen hierfür gegeben sein müssen. Auch werden wir uns nicht nur mit verletzen inneren Anteilen, sondern auch mit verletzenden inneren Anteilen befassen. Bei alledem werden wir merken, dass selbst auf der inneren Bühne Übertragung und Gegenübertragung stattfinden.
🎧 Zum Vertiefen: Wenn du dich weiter mit Ego-State-Therapie, komplexer Traumatisierung, inneren Anteilen und Dissoziation beschäftigen möchtest:
→ Folge 44: Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung – Teil 1 → Folge 45: Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung – Teil 2 → Folge 13: Die Ego-State-Therapie, Teil 1 → Folge 14: Die Ego-State-Therapie, Teil 2 → Folge 47: Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung – Teil 3 → Folge 48: Die Dissoziation und die dissoziative Identitätsstörung
Weiterführende Literatur:
Wöller, W., Lampe, A., Schellong, J., Leichsenring, F., Kruse. J. & Mattheß, H. (2025). Psychodynamische Therapie der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung: Ein Manual zur Behandlung nach Kindheitstrauma (2. Nachdruck). Stuttgart: Schattauer.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Negative Selbstrepräsentanzen und abgespaltene innere Anteile sind zwei Punkte, die häufig im Mittelpunkt der psychotherapeutischen Arbeit mit komplex traumatisierten Menschen stehen.
00:00:13: Heute schauen wir uns noch einmal eine psychodynamische Therapieform an, die bereits in den Folgen XIII und XIV kennengelernt haben – und die bei diesen beiden Aspekten der Behandlung besonders wirksam ist!
00:00:26: Heute geht es um den Einsatz der Igustate Therapie bei komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen.
00:00:48: Und damit herzlich willkommen zur neunundvierzigsten Folge unseres psychodynamischem Podcastes, hoch freudlich wieder dabei zu haben heute zum Thema die Igustated Therapie Bei der Komplexen Post Traumatische Belastung Störung!
00:01:04: Diese Folge baut auf unserem Dreiteiler zur komplexe posttraumaatischen Belastungsstörung auf weshalb ich euch diese zunächst ans Herz legen möchte, falls ihr sie noch nicht gehört habt.
00:01:15: Auch weil ich immer wieder Bezug auf Begriffe und Konzepte aus diesen Folgen nehmen werde.
00:01:22: Während unsere Beschäftigung mit dem Thema KPTBS sind wir immer wieder auf dieser Art des Arbeitens zurückgekommen.
00:01:29: Heute wollen wir uns die Zeit nehmen dies wirklich mal zu vertiefen vor dem Hintergrund der KPTBS durchführen.
00:01:43: Zur Erinnerung, die psychodynamische Therapie der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung zielt darauf ab, die mit traumatischem Erinnerungen verbundene Stressbelastung durch eine Veränderung der inneren Repräsentanzenwelt zu reduzieren.
00:02:01: und genau hier setzt die Igostertherapie an.
00:02:03: sie ist ein Baustein in der psychodynamischen Arbeit mit komplex traumatisierten Menschen.
00:02:11: Es geht hier, das werden wir gleich nochmal hören nicht um Traumkonfrontation und auch nicht so sehr um die Stärkung des Bewussten selbst im Alltag.
00:02:23: Hier geht es um die Arbeit mit inneren Anteilen.
00:02:27: Es geht um Selbstversorgung.
00:02:29: Es geht darum diese inneren Antheile kennenzulernen Diese zu versorgen und auf diese Art die inneren Repräsentanzen zu verändern.
00:02:39: Auch hier zur Erinnerung, Selbstrepräsentanz meint die Vorstellungen, die wir von uns selbst haben einschließlich der Vorstellung wie andere uns sehen und bewerten.
00:02:54: Komplex dramatisierte Patienten leiden nicht nur unter der Kernsymptomatik der KPTBS, sondern auch unter ausgeprägten Störungen der Selbst- und Beziehungsregulation.
00:03:07: An die Stelle einer Vorstellung von sich als ungeliebte Wert- und wehrlose sowie ungeschützte Person soll schrittweise die Selbstrepräsentanz einer liebenswerten geschützten und zu respektierenden Person treten, und in der Lage ist, für sich und ihre Interessen zu sorgen.
00:03:29: Eine solcher Maßen gestärkte Selbstrepräsentanz – so weiter die Annahme – ist in der Lage auch abgespaltene psychische Inhalte aus traumatischen Erfahrungen zu integrieren.
00:03:41: Integration meint die Wiederherstellung einer Einheit, in dem Fall des Körpers in seiner Gesamtheit als physischer Körper und der Psyche.
00:03:52: Es geht um die Vervollständigung einzelner, vielleicht voneinander getrennter bzw.
00:03:58: abgespaltener Inhalte zu einem großen Ganzen.
00:04:03: Das bedeutet insofern auch dass es bei der Integration der traumatischen Erfahrung darum geht die Geschehnisse in den Lauf des ganzen eigenen Lebens einzusortieren Auch um im Alltag funktionsfähig zu bleiben statt von Abgespaltenen beziehungsweise nicht integrierten Inhalten überwältigt zu werden.
00:04:23: Wie die Arbeit mit dem Bewussten selbst oder mit den Worten der Igustaytherminologie, der erwachsenen Persönlichkeit aussieht bzw.
00:04:32: wie diese für ihre Aufgabe der Alltagsbewältigung gestärkt wird besprachen werden in Folgen forty-fünf und siebenundvierzig.
00:04:42: Um jedoch den Einbruch traumatischen Materials in die Alltagswelt, in Form von Flashbacks und Triggern sowie die Auslösung trauma-assoziater Effektzustände nachhaltiger zu beeinflussen müssen wir auch die früheren inneren Anteile besprechen bzw.
00:05:00: ansprechen da diese die Selbstrepräsentanzen bilden indem die traumatischen Erfahrungen der Kindheit gespeichert sind.
00:05:09: Diese können natürlich auch innere Anteile sein, die dem Jugend oder dem jungen Erwachsenenalter zuzuorten sind, je nachdem wann eine Traumatisierung erlebt wurde.
00:05:20: Dies führt uns zur ersten zentralen Frage – wie kann auf der Ebene des kindlichen selbst eine Modifikation der Repräsentanzenwelt überhaupt erreicht werden?
00:05:33: Hierzu ist es erforderlich symbolisch und imaginativ ein Prozess einzuleiten der darauf abzielt, die negativen Repräsentanzen zu verändern und neue positive Zeugen sowie dadurch trauma-assoziierten Stress zu reduzieren.
00:05:52: So wie wir es eben gehört haben – das zum Beispiel an die Stelle der Repräzentanz des ungeliebten Kindes, die repräsentanz des geliebsten Kindes treten soll.
00:06:03: Aus der modernen Gedächtnisforschung wissen wir dass es möglich ist durch Imagination also durch unsere Vorstellungskraft, Repräsentanzen zu verändern oder auch neu zu erzeugen.
00:06:15: Ebenso wissen wir, dass durch eine Versorgung der inneren Anteile und durch Trost im Hier-und-Jetzt traumaassociierter Stress reduziert werden kann!
00:06:27: Wir sprachen schon über Freuzkonzept der Nachträglichkeit – welches besagt das unserer Erinnerungen an etwas immer auch durch den Kontext indem wir diese Erinnerung wieder aktivieren verändert werden.
00:06:40: Wenn wir Trost erfahren und gemeinsam etwas Schmerzliches betrauen können, wird dieser Trost an die schmerzliche Erinnerung geknüpft und teilweise auch immer mit diese aktiviert – so wird die Erinnerungen aushaltbarer und es fällt leichter sie zu integrieren.
00:07:00: So lernen wir ja als kleine Kinder überhaupt erst uns beruhigen!
00:07:04: Wir verinnerlichen eine Selbstrepräsentanz gesehen, geliebt und respektiert werden wenn wir erfahren dass sich unsere Bezugspersonen angemessen um uns kümmern.
00:07:16: Wenn wir uns zum Beispiel verletzen oder erschrecken.
00:07:20: Aber wie sieht das nun im Detail aus?
00:07:23: Die Arbeit mit inneren Kindanteilen besteht zunächst darin Dass ein Patient sich selbst als das Kind vorstellt welches er einmal war Zum Beispiel in einer bestimmten Lebensphase.
00:07:37: Wichtig ist hierbei Dass durch diese Vorstellung des kindlichen Anteils, oft sagt man auch des inneren Kindes, keine Persönlichkeitsspaltung begünstigt wird.
00:07:47: Sondern dass der innere Erwachsenanteil stets mit präsent ist!
00:07:53: Dieser soll es schließlich sein – er lernt das innere Kind zu versorgen.
00:07:58: Es soll also eine positive Repräsentanz mit dem inneren Kind ein Teil verknüpft werden, sodass dieses Kind als von einer liebevollen Bezugsperson gut versorgt erlebt werden kann.
00:08:11: Dieses Kind hat zwar Traumatisierung erlebt, konnte sie aber integrieren bzw.
00:08:17: verarbeiten.
00:08:19: Einer auf diese Art positiv gestärkte Repräzentanz vom inneren kind in Verbindung mit einer ebenso gestärkten Repräsentanz des Erwachsenen.
00:08:30: Unterinnerungsfragmente besser dadurch integrieren, dass sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart trennen.
00:08:37: Die Vergangenkeit dabei als abgeschlossen wahrnehmen und Trauma-assoziierten Alltagsstressoren von ihrer Effektintensität befreien kann.
00:08:49: Übertragungs- und Widerstandsphänomene – die es natürlich immer gibt – sind bei dieser Art der Arbeit meist nicht ganz so stark da sich regressive Wünsche meist nicht direkt auf die Therapeuten richten, sondern auf der inneren Düne bleiben.
00:09:06: Ebenso ist diese Art der Arbeit vielseitig anwendbar bei weitem nicht nur bei der Traumarbeit.
00:09:13: Sie unterstützt darüber hinaus den selbstversorglichen Umgang mit sich und isst auch nach Abschluss der Therapie gut anwendba – aber dazu nachher noch mehr!
00:09:24: Noch mal weg vom theoretischen Konstrukt und hin zur konkreten Anwendung.
00:09:29: Die Arbeit mit inneren Kindenteilen umfasst zwei grundlegende Arbeitsschritte.
00:09:34: Zum einen sollen die inneren Anteile des Patienten, die ihren Ursprung in der Kindheit haben und sich klinisch als regressive Erlebens- und Verhaltensweisen zeigen identifiziert und symbolisiert werden.
00:09:50: Die Anteiler erhalten so auch eine Bedeutung – sie werden als Ausdruck noch vorhandener und unbefriedigter kindlicher Bedürfnisse verstanden!
00:10:00: Durch dieses Verständnis stärken wir auch die Mentalisierungsfähigkeit, indem ein Patient lernt sich selbst bzw.
00:10:08: seine inneren Beweggründe zu verstehen wodurch Handlungen nicht mehr unverständlich wirken sondern einen Sinn bekommen.
00:10:16: Im zweiten Schritt sollen diese Anteile durch die erwachsenen Persönlichkeitsanteile auf der Inneren Bühne symbolisch versorgt werden also der innere Erwachsene der sich um das Innere Kind oder die inneren Kinder kümmert.
00:10:31: Hierzu muss erkannt werden können, welche Verhaltensweisen eines Patienten eher den kindlichen und welcher eher den Erwachsenen muss dann entsprechen?
00:10:42: Und diese müssen getrennt werden!
00:10:44: Anschließend wird es genauer hingeguckt und zugeordnet aus welcher Lebensphase die kindlichen Sicht- und erlebensweisen stammen.
00:10:54: Idealerweise lässt sich hier auch verstehen, warum die Erlebens- und Verhaltensweisen damals durchaus sinnvoll waren.
00:11:02: Diese kindlichen Anteile sollen in der Vorstellung durch einen erwachsenen Anteil, der dazu bereit ist, die zurzeit mögliche älterliche Versorgung und Zuwendung erhalten.
00:11:15: Hier ist also die Fähigkeit Voraussetzung, in der vorstellung die eigene Persönlichkeit in diese Anteilen zu spalten was letztlich aber eher das Ziel einer Integration aller Anteile zu einer Persönlichkeit verfolgt.
00:11:31: Keinesfalls sollte dies als konkrete Vorstellung eines real existierenden Kindes dargestellt werden.
00:11:39: Eine entsprechende Ichstärke, dies in der Vorstellung halten zu können ist also die Voraussetzung für die Arbeit mit inneren Kindanteilen.
00:11:48: Ebenso ist die Fähigkeit zur emotionaler Versorgung der inneren Kinderanteile eine Voraussetzung.
00:11:55: Ein Patient braucht die Kraft, die notwendig ist um diesen Anteilen die Zuwendung Aufmerksamkeit Liebe sowie das Interesse zukommen zu lassen welches diese benötigen.
00:12:08: Dies ist keine Traumokonfrontation dieses Hilfe zur Selbstversorgung.
00:12:14: und noch ein paar Worte zum erkennen kindlicher Muster wenn sich in der Stunde kindliche oder regressive Verhaltensweisen oder Erlebensmuster zeigen wird der Therapeut hierauf hinweisen.
00:12:28: Und zum Beispiel die Patientin bitten sich vorzustellen, sie würde diese Muster bei einer ihr vergleichbaren Person bemerken.
00:12:38: Nun soll sie einschätzen inwieweit diese Musta dem Lebensalter entsprechend scheinen.
00:12:44: Hier durch und eigentlich ist dies eine indirekte Deutung werden die Muster bewusst und dadurch weniger Ich-Synton.
00:12:53: Das bedeutet, dass sie weniger als zur eigenen erwachsenen Persönlichkeit zugehörig erlebt werden.
00:13:01: Nun könnte die Frage folgen ob die Patientin es vermöglich hält das sich in diesen Mustern unbefriedigte kindliche Bedürfnisse ausdrücken könnten.
00:13:12: Dies Vorgehen lässt sich auch dann einsetzen wenn es um Beziehung im Außen geht.
00:13:19: Nachdem das Vorgehens erläutert und kindliche Anteile klar benannt und identifiziert wurden geht es um den Umgang mit diesen Anteilen.
00:13:28: Hier kann es hilfreich sein, bei der Arbeit wirklich auch von zum Beispiel dem fünfjährigen Jugend zu sprechen – um diesen deutlich erlebbar zu machen!
00:13:38: Dann sollte erklärt werden, dass ein Kontakt nicht mit den traumatisierten sondern den ressourcenreichen Seiten des Kindes beginnen und behutsam sein sollte.
00:13:50: Dann wird geklärt ob die Erwachsenseite bereit ist die kindlichen Anteile zu versorgen oder ob Vorbehalte- oder negative Emotionen sie davon abhalten.
00:14:02: Hierzu aber gleich noch mehr!
00:14:05: Wenn es der Patientin nicht gelingt, einen Teil in sich zu identifizieren, der sich reif erwachsen und stark genug für diese Arbeit fühlt gibt es zwei Alternativen.
00:14:15: Sie kann versuchen, sich die Person vorzustellen, die sie nach erfolgreich verlaufender Therapie sein möchte und klären, ob diese Person dem Kind begegnen kann.
00:14:27: Dies ist ähnlich wie die Arbeit- und Helferwesen, die uns in den Folgen zur KPDBS begegnet sind.
00:14:35: Und genau dies ist die zweite Alternative – die Patientin kann sich imaginäre Helferfiguren schaffen und diese mit der Versorgung des inneren Kindes beauftragen.
00:14:45: Ist dies geschehen wird noch einmal geklärt um welche kindlichen Anteile es nun genau gehen soll?
00:14:53: Die Annäherung an diese Anteilen wird von der Therapeuten begleitet und gesteuert!
00:14:59: Zunächst genügt es, wenn die Patientin als Erwachsene dem inneren Kind gegenüber eine liebevolle Haltung einnimmt.
00:15:07: Tauchen traumatischer Erfahrung stärker während der Anlehrung im Bewusstsein auf sollen diese nicht vertieft sondern mit dem annehmenden und liebevollen Beziehungsangebot des erwachsenen Teils verknüpft werden.
00:15:21: Konkret soll sich die Patientin nun überlegen, welche Aktivitäten sie in der Vorstellung ausführen könnte, die geeignet werden um dem Kind das sie selbst einmal war auf der symbolischen Ebene das Gefühl zu geben gesehen geliebt gewertschätzt und umsorgt zu werden.
00:15:41: Bei Schwierigkeiten kann die Therapeuten Ideen einbringen.
00:15:45: von einem anerkennenden Blick über eine Umarmung einen Spaziergang Oder das Bringen an einen sicheren Ort ist dir vieles denkbar.
00:15:55: Diese Ideen sollten aber auch als Vorschläge, die aus der Erfahrung der Therapeuten entstanden, gekennzeichnet werden und nicht etwas verstanden werden was die Patientin unbedingt umsetzen sollte.
00:16:10: Zum Abschluss wird geprüft welche Gefühle hierbei entstehen und was beim inneren Kind ankommt.
00:16:19: Es geht aber nicht nur um das Kind von damals, sondern auch um die Frage wie sich die Erwachsene jetzt gerade fühlt.
00:16:28: Wenn sie weiß dass das Kind in Sicherheit ist!
00:16:32: Nicht das Durcharbeiten vom Erleben im Damals ist der Fokus hier, sondern eine Modifikation des kindlichen Teils der Selbstrepräsentation im Hier und Jetzt.
00:16:43: Dies unterstreicht auch nochmal den schonen genannten wichtigen Punkt in der Traumarbeit, dass die Vergangenheit als abgeschlossen erlebbar werden soll.
00:16:54: Nun kann es bei dieser Art der Arbeit zu einigen Besonderheiten und auch Schwierigkeiten kommen, die wir uns jetzt anschauen wollen und diese sich als Folge von Übertragung- und Gegenübertragungen auf der inneren Bühne konzeptualisieren lassen.
00:17:10: So kann ein kindlicher Anteil –die früheren Erfahrungen auf den erwachsenen Persönlichkeitsanteil übertragen und ihm gegenüber zum Beispiel Misstrauen oder Angst erleben und dessen Angebote ablehnen, weil er fürchtet dass sich die alten Erfahrungen wiederholen könnten.
00:17:32: Besteht zb eine Angst enttäuscht zu werden muss diese erstmal verstanden bewusst gemacht und durchgearbeitet werden bevor weiteres Vorgehen möglich ist.
00:17:43: Konkret heißt das, dass eine Patientin als Erwachsene die kindlichen Ängste nachvorziehen können muss und diese mit einfühlenem Verständnis annehmen.
00:17:56: Wie auch in der realen Beziehung zwischen Patient- und Therapeut ist ein geduldiges reflektiertes und langsames Annähern oft empfehlenswert.
00:18:06: Anders herum kann es zu einer Gegenübertragungsreaktion des Erwachsenen auf das innere Kind kommen!
00:18:13: Und hier will ich einmal kurz innehalten und nochmal klarstellen, die Arbeit mit innen Anteilen ist eine imaginative, eine metaphorische.
00:18:23: Natürlich gibt es nicht wirklich ein echtes Kind den Patienten.
00:18:27: Das heißt das ist hier eigentlich um die Beziehung geht, die dieser Patient zu sich selbst beziehungsweise zu den Aspekten seiner Persönlichkeit hat.
00:18:38: Geht es zum Beispiel um die eigene Bedürftigkeit, die nicht ausgehalten werden kann?
00:18:43: Hat er sich bewährt diese als inneres Kind zu imaginieren und so auch den Zusammenhang zur Erfahrung herzustellen, die die Bedürftigkeit so unaushaltbar machen.
00:18:55: Aber weiter im Text besteht nun eine Ablehnung gegenüber der eigenen kindlichen Seite oder in der Terminologie der Igostate Therapie.
00:19:06: Lehnt der innere Erwachsene ein inneres Kind ab, zeigen sich auch hier Hinweise auf die Art der Traumatisierung sowie ihrer Verarbeitung einschließlich der Abwehr und der damit verbundenen Gefühle.
00:19:21: Nicht selten geht es um ein internalisiertes Schuldgefühl – was sich darin zeigt, dass der Innere Erwachsene dem Kind vorwirft, es hätte sich zum Beispiel gegen einen Missbrauch nicht ausreichend gewährt!
00:19:35: Hierzu könnten sich Gefühle von Scham und Ekel gesellen.
00:19:39: Hilfreich kann es sein, mit dem Erwachsenen gemeinsam Distanz einzunehmen und ihn zu einer Prüfung der Realität aufzufordern – zum Beispiel durch die Frage inwieweit ein Kind unter den Bedingungen eines traumatisierenden familiären Umfeldes tatsächlich für seinen damaliges Verhalten verantwortlich gemacht werden kann?
00:20:01: Auch würde es hier um den Kontakt mit eigener Verletzlichkeit gehen.
00:20:07: Auch nicht selten ist die Angst, dass das innere Kind plötzlich nicht genug an Zuwendung bekommen kann und ständig mehr fordern wird – wenn es einmal welche bekommen hat!
00:20:33: wieder fallen gelassen zu werden oder die Kontrolle zu verlieren.
00:20:39: Die Ängste sollten validiert werden, auch vor dem Hintergrund dass die Erwachsenen im Alltag funktionsfähig bleiben muss.
00:20:48: Die Zuwendung zum inneren Kind darf also sowohl in der Art aber auch im Umfang gestaltet und begrenzt werden.
00:21:00: Innere Helfer und ideale Elternfiguren können hilfreich sein, um die Zuwendung zu strukturieren.
00:21:07: Und der Erwachsenen das Gefühl zu geben dass das Kind auch dann sicher versorgt ist wenn er oder sie im Alltag funktioniert.
00:21:16: Noch ein Szenario.
00:21:18: Häufig steht auch die Angst des Erwachsenden im Vordergrund durch die Annäherungen an die dramatischen Erinnerungen destabilisiert zu werden.
00:21:29: Auch diese Sorge sollte validiert werden, dass sie durchaus berechtigt sein kann.
00:21:35: Ressourcen aktivieren das Arbeiten und gegebenenfalls das Einüben einer Containertechnik wie die Tresor-Übung welche wir ebenfalls in der Folge zur KPDPS im Detail besprochen haben können hier helfen die erwachsene Seite zu stärken.
00:21:53: Allerdings darf dabei nicht auf Seiten des Kindanteils das Gefühl entstehen, mit berechtigten Anliegen erneut zurückgewiesen zu werden.
00:22:03: Deshalb sollte deutlich gemacht werden.
00:22:04: es geht ja nicht um Zurückweisung sondern dass Wählen eines passenden Zeitraums um sich mit besagten Anliegungen zu befassen.
00:22:14: wie auch in der therapeutischen Beziehung können körperliche Symptome Hinweise auf noch unbewusste Gegenübertragungsphänomene sein und sollten entsprechend beachtet werden.
00:22:27: Ich möchte noch auf ein Vorteil der Teilearbeit zu sprechen kommen, den wir vorhin nur gestreift haben – nämlich die Anwendbarkeit über die Therapiestunde hinaus!
00:22:40: Mit genug Übung lässt sich und soll sich die Teile Arbeit auch eigenständig fortführen.
00:22:48: Dies hat den Vorteil, dass ein Patient hier auch Möglichkeiten hat, zum Beispiel reale Handlungen wie Spaziergänge umzusetzen.
00:23:00: Auch hier sollte klar sein, dass es um zeitlich begrenzte Aktivitäten geht – die der Selbstfürsorge dienen und nicht die Alltagsfunktionalität einschränken.
00:23:12: Vorher festgelegte tägliche Zeitfenster von z.B.
00:23:16: nicht länger als dreißig Minuten haben sich ihr bewährt!
00:23:20: Zum Schluss möchte ich noch einen Punkt besprechen, der regelhaft in der Arbeit mit komplex dramatisierten Menschen auftritt und besonderer Aufmerksamkeit bedarf.
00:23:31: Das ist die Arbeit mit Täter-Entrojekten und Täteridentifikationen.
00:23:38: Diese Anteile zeigen sich oft entweder selbstschädigend oder nach Außen hin aggressiv – und können die Therapie als solche gefährden!
00:23:50: Psychodynamisch betrachtet, handelt es sich dabei um Folgendes.
00:23:54: Bei der Introjektionsdynamik – dies wurde von dem Psychanolithiker Sandor Ferenschi beschrieben -, handelt das sich um ein Mechanismus, der die Bindung an die wichtigen Bezugspersonen bewahren soll.
00:24:09: Zu diesem Zweck definiert sich das traumatisierte Kind selbst als böse Unnütz oder Unwert.
00:24:17: durch die Bezeugung von der eigenen Schlechtigkeit Also dem Aufbau einer zutiefst negativen Selbstrepräsentanz kann das Bild der guten Eltern aber erhalten bleiben.
00:24:30: Wenn das Kind die Schuld für die schlimme Handlung der Eltern übernimmt, kann ein Versöhnungsversprechen kreiert werden.
00:24:38: Nach dem Motto wenn ich mich wieder so verhalte wie meine Eltern das wollen, werden sie wieder lieb zu mir sein!
00:24:47: Diese Verinnerlichung führt zur vermindeter Selbstfürsorge einem schlechten Selbstwertgefühl, negativen Überzeugungen in Bezug auf sich und entsprechenden Erwartungen im Bezug zu Beziehung.
00:25:02: Ebenfalls durch Ferenchi aber auch durch die Arbeiten von Anna Freud wissen wir um die Bedeutung von Identifikationen im Traumakontext.
00:25:10: Ein traumatisiertes Kind kann mithilfe des Mechanismus der Identifikations mit dem Aggressor nicht nur sein Überlebensichern sondern sich vor Gefühlen von Ohnmacht- und Kontrollverlust schützen.
00:25:24: Hier beginnt das Kind sich so zu verhalten, wie es die schädigende Bezugsperson tut und zum Beispiel deren Aggression am kleinen Geschwisterchen mit Schülern oder später auch an Therapeuten ausüben.
00:25:40: Aber auch Selbstverletzung sind häufig.
00:25:44: Dadurch dass das traumatisierte Kind sich wieder Täter verhält wird es selber zum Täter.
00:25:53: im Falle der Täterintrojektion verhält sich die Patientin gegenüber sie selbst also so, wie sie früher von den Tätern behandelt wurde.
00:26:03: Im Falle der Täter-Identifikation verhält es sich die Patienten ihrer Umwelt gegenüber so, als sie von den Tätern behandlet wurde.
00:26:12: Beide Aspekte – die Introjektionen und die Identifikationen hatten damals eine schützende beziehung bewahrende Funktion.
00:26:22: Dieser Gedanke kann schnell aus der Acht geraten, wenn wir die Auswirkungen betrachten, die solche Persönlichkeitsanteile haben können.
00:26:31: Ist aber sehr wichtig für den Umgang mit Ihnen!
00:26:35: In der Arbeit mit diesen in Abgrenzung zu den verletzenden Anteilen ist es zunächst auch erstmal Voraussetzung dass das Erwachsene selbst von heute ausreichend stabil ist.
00:26:48: Ist das der Fall?
00:26:50: Wird es im ersten Schritt darum gehen den Patienten dazu zu ermutigen, die destruktiven Impulse, Gedanken oder auch Kommentare bewusst wahrzunehmen und ihnen in Worten oder in Form einer Gestalt Ausdruck zu geben.
00:27:07: Auch hier kann die Darstellung der verletzenden Anteile auf der inneren Bühne hilfreich sein um mit Ihnen in einen Dialog zu treten.
00:27:17: Da es auch uns Therapeutinnen leichter fällt uns den Verletztenanteilen anzunähern als den Verletzenden sei hier nochmal betont, dass auch diese eine Schutzfunktion erfüllten.
00:27:30: Da es langfristig um eine Zusammenarbeit mit ihnen gehen soll ist es wichtig zu verstehen wann und wozu diese Anteile – es können übrigens durchaus gleichzeitig Täter in Projekte- und Täter-Identifikationen bestehen – entstanden sind.
00:27:45: Zumindest sollten Hypothesen in dieser Richtung formuliert werden da nichts in unserer Psyche einfach so ohne Grund passiert und schon gar nicht die Ausbildung in ihrer Persönlichkeitsanteile.
00:27:58: Fragen wie, was wäre ihnen zugestoßen wenn sie sich als Kind nicht zu verhalten hätten können helfen die Schutzfunktion hinter dem aggressiven Verhalten zu verstehen?
00:28:10: Zu verstehen dass dieses Verhalten im damaligen Kontext sinnvoll war ist der nächste Schritt.
00:28:17: In diesem Licht verdienen auch die verletzenden Anteile Respekt- und Wertschätzung.
00:28:24: Je nach geht es wieder um die Trennung von Vergangenheit und Gegenwart.
00:28:29: Das Verhalten von damals war in dem damaligen Kontext hilfreich, ist heute aber nicht mehr notwendig.
00:28:38: Wie es häufig der Fall bei inneren Anteilen ist, die im Rahmen von traumatischen Erfahrungen von der restlichen Entwicklung des Menschen abgekapselt wurden, wissen auch diese verletzenden Anteile oft nicht wie alter Patient jetzt eigentlich ist – was er bis heute schon bewältigt hat!
00:28:57: Zum Schluss kann ein Transfer in die Gegenwart sinnvoll sein.
00:29:02: Das Verständnis für früher, kann in der Gegenwart Wertschätzung und Beruhigung im Umgang mit den verletzenden Anteilen ermöglichen.
00:29:11: Für diesen Transfer ist aber meist auch die Frage hilfreich ob diese Anteile bzw das verletzte Verhalten in der die Kraft dieses Anteils zu nutzen, falls der Patient nochmal in eine ähnliche Situation gerät wie die damalige aus der diese Anteil entstanden ist.
00:29:40: Eine durchsetzungsfähige Seite kann in vielen Situationen hilfreich sein.
00:29:46: Dazu gehört auch zu erkennen dass die Gefahren von damals heute nicht mehr in dem Maße bestehen weil das Kind von Damals erwachsen ist und ganz andere Möglichkeiten hat.
00:30:01: Und damit sind wir auch langsam am Ende unserer heutigen Folge angekommen.
00:30:06: Vielen Dank fürs Zuhören, ich hoffe es hat euch Spaß gemacht und dass ihr diese weitere Vertiefungsfolge zum Thema komplexe posttraumatische Belastungsstörungen bzw.
00:30:17: Traumaarbeit interessant fandet!
00:30:20: Lasst mir wie immer gerne euer Feedback zukommen.
00:30:22: unter hocher Freude-Unterstrich Podcast Bewertet den Podcast auch gerne dort wo ihr ihn hört und abonniert auch gerne unseren kostenlosen Newsletter, um bei allem was hoher Freude angeht auf dem Laufenden zu bleiben.
00:30:36: Und das ist im Moment eine ganze Menge!
00:30:38: In diesem Sinne vielen Dank nochmal fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
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